MOMA | Molkenmarkt
Der Molkenmarkt befindet sich geografisch in der historischen Mitte Berlins und ist das bedeutendste Stadtentwicklungsvorhaben der Hauptstadt. Hier soll ein neues, innerstädtisches und innovatives Stadtquartier mit einer hoch attraktiven Architektur und Nutzungsmischung für eine dauerhafte Standortattraktivität entstehen.
Um funktional und gestalterisch Teil des innerstädtischen Stadtraums zu werden und sich im Wettstreit um Aufmerksamkeit und Frequentierung erfolgreich positionieren zu können, soll sich das Quartier durch eine eigenständige Strahlkraft mit besonderer Identität auszeichnen. Eine hohe Erlebnisqualität durch eine kurzweilige und öffentlichkeitswirksame Nutzungsmischung sowie eine hohe Aufenthaltsqualität mit attraktiver Gestaltung der Gebäude und der öffentlichen Räume sollen einen unverwechselbaren urbanen Charakter entstehen lassen.
Die unterschiedlichen Nutzungen wie Gewerbe, Einzelhandel, Gastronomie, Kultur und Bildung sollen standort- und nachbarschaftsverträglich zusammen mit vielfältigen und bezahlbaren, d.h. wirtschaftlich zu errichtenden und zu betreibenden Wohnformen zu einem lebendigen Quartier entwickelt werden. Gleichzeitig soll sich das Quartier zu den Baudenkmalen der Umgebung positionieren und die Geschichte sensibel ablesbar machen – u.a. mit der Integration von historischen Bodenfunden in Form archäologischer Fenster, um die historische Bedeutung dieses Ortes wieder erleb- und erfahrbar zu machen.
Unter Federführung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen von Berlin wurden ab 2020 mehrstufige, städtebaulich-freiraumplanerische Qualifizierungsverfahren durchgeführt, deren Ergebnisse in einem Rahmenplan Molkenmarkt zusammengeführt wurden und mit den darauf aufbauenden Bebauungsleitlinien die Charta Molkenmarkt bilden. Die Charta Molkenmarkt ist neben dem Bebauungsplan 1-14 die zentrale Grundlage der Wettbewerbe für die Hochbauten und Freiräume des neuen Quartiers.
Das zukünftige Quartier am Molkenmarkt wird aus mehreren Blöcken bestehen. Die Blöcke A und B werden durch die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Berlin Mitte (WBM) realisiert.
Gegenstand dieses Realisierungswettbewerbs ist der im Nordwesten gelegene Teilbereich des Block B mit der Bezeichnung Block B/1, gelegen zwischen der Grunerstraße, dem Molkenmarkt und der Jüdenstraße. Der Wettbewerb für Block B/1 ist in drei Lose eingeteilt, die sich jeweils aus mehreren Häusern zusammensetzen. Jedes Los stellt durch seine unterschiedliche stadträumliche Lage, breit gefächerte Nutzungen und verschiedene, in der Planung zu berücksichtigende archäologische Bodenfunde sowie variierende Bauvolumina spezifische Herausforderungen an die jeweilige Planung.
Ziel des Wettbewerbsverfahrens für alle Lose ist es, gut gestaltete, zukunftsfähige, vielfältige und in hohem Maße wirtschaftliche Entwürfe für eine nachhaltige und robuste Bebauung zu erhalten, die insbesondere für mietpreissensible Nutzendengruppen, sowohl für das Wohnen als auch für die Kreativwirtschaft, attraktive Angebote schaffen.

Preisgericht
Fachpreisrichter*innen
Sachpreisrichter*innen
Ständig anwesende stellvertretende Fachpreisrichter*innen
Stellvertretende Sachpreisrichter*innen
Projekt-Ergebnisse
↑1. Preis
1. Preis: Los 1: Happel Cornelisse Verhoeven / Hild und K / Modersohn & Freiesleben
Dem Entwurf gelingt es in sehr schlüssiger Weise, durch die Gestaltung des Gebäudes 1.2 eine städtebauliche Leitidee zu formulieren. Die Gliederung der Baukörper ist eindeutig und erkennbar. Die Nutzungen lassen sich differenziert zuordnen.
Die horizontale Gliederung der Fassade des Langhauses (Gebäude B1.1) an der Grunerstraße ermöglicht die Adressbildung für die Gewerbeeinheiten im Erdgeschoss, die Büronutzung als auch die darüberliegenden Wohnnutzungen. Die Ausbildung des Laubengangs in den beiden Wohngeschossen erscheint zu offen. Die spätere Nutzung des Laubenganges auch als Abstellfläche, zum Beispiel für Fahrräder, ist zu erwarten und wird weniger positiv bewertet.
Das Eckhaus (Gebäude B1.2) ist mit den Proportionen der Arkade, der zurückhaltenden Gestaltung der Bürofassaden und dem Walmdach mit der Betonung durch die Laterne in der Lage, eine angemessene Identifikation der Nutzenden zu ermöglichen.
Das Wohnhaus (Gebäude B1.3) in der Jüdenstraße fügt sich in ruhiger Zurückhaltung in das Ensemble ein.
Die Erschließung des archäologischen Ortes ist gelungen, auch wenn der Einblick über das Fassadenfenster in den Luftraum auf den darunterliegenden Befund nur schwer nachzuvollziehen ist. Die Unterfahrten der Aufzüge TRH B1.1 sind nachzuweisen. Die Technikflächen im Untergeschoss sind zu umfangreich.
Für die unterschiedlichen Nutzungsformen werden jeweils gute bis sehr gute Grundrisslösungen angeboten, die eine wirtschaftliche Weiterentwicklung ermöglichen. Die Überlagerung der Wohneinheiten im Gebäude B1.1 über der Büronutzung ist gelungen. Die die innere Zone der Bäder mit der intensiven TGA-Erschließung liegt über der Dunkelzone der Büroebenen.
Die vorgeschlagene, gemischte Konstruktion bündelt die Stärken des jeweiligen Materials mit den Anforderungen der Nutzung. Die Stahlbetonskelettkonstruktion ist im Gebäude B1.1 auf die darüber liegende Holzkonstruktion abgestimmt, auch wenn nicht eindeutig nachzuvollziehen ist, ob die tragenden Massivholzschotten die Anforderungen des Schallschutzes erfüllen. Nur jede zweite tragende Wohnungstrennwand liegt über einer tragenden Stahlbetonstützen-Achse. Die Konstruktionen in Haus B1.2 und B1.3 sind nachvollziehbar und klar strukturiert.
Die von den Verfassenden angegebenen Baukosten liegen über dem gesetzten Ziel. Die starke Tiefengliederung der Fassaden wirkt sich auf die Baukosten aus, könnte jedoch aufgrund der Optionen zur Vorfertigung positive Akzente in Bezug setzen. Die Kosten für die Geothermie und die Brauchwassernutzung wirken sich ebenfalls erhöhend auf die Baukosten aus und sind kritisch zu hinterfragen.
Es ist zu erwarten, dass sich der Entwurf bestimmt, aber unaufgeregt in das Gesamtquartier mit den Entwürfen Los 2 und Los 3 positioniert und damit die Erwartungen an die städtebauliche und architektonische Qualität voll erfüllt.
Denkmalschutz (LDA):
Die Einbindung des archäologischen Befundes im Untergeschoss scheint grundsätzlich zu funktionieren, jedoch braucht es eine kritische Überprüfung der Lage der Aufzugskerne von Haus B1.1 im Untergeschoss sowie eine Reduzierung der Technikflächen, da diese unnötig weit in den archäologischen Befund eingreifen. Die Sichtbarkeit im Erdgeschoss von der Grunerstraße ist eingeschränkt, hier könnte es einer klareren Adressierung geben.
1. Preis: Los 2: blrm Architekt*innen GmbH
Der Entwurf zeichnet sich durch eine sehr deutliche Haltung aus und gibtsehr schlüssige, in der Jury allerdings kontrovers diskutierte Antworten auf die komplexe Entwurfsaufgabe.
Ansichten und Fassaden der Gebäude B2.1 und B2.2 stehen in direkten Bezug zueinander. Allerdings scheinen die Gebäude in der Jüdenstraße nicht ausreichend eigenständig differenziert. Das Gartenhaus wird mit einem eigenen, klaren Gestaltungsansatz entwickelt und artikuliert mit einer einheitlichen Sprache, aber sorgfältig ausdifferenziert, die Fassaden zum Stadthof und zum Gartenhof.
Die Grundrisse der Gebäude B2.1 und B2.2 sind nahezu ausschließlich einseitig orientiert. Dieser Umstand wird kritisch diskutiert. Allerdings bieten die Verfassenden mit der vorgeschlagenen Anordnung der Treppenhäuser und dem mittig gelegenen Flur eine stimmige Grundlage für den weiteren Planungsprozess.
Das Gebäude B2.3 wird ausschließlich vom Stadthof aus erschlossen. So stärkt der Entwurf als einziger Wettbewerbsbeitrag die unterschiedlichen Qualitäten des halböffentlichen Stadthofs und des privateren Gartenhofs, der auf diese Weise geschützt bleibt.
Der Entwurf hat die meisten Wohnungen und einen attraktiven Wohnungsmix. Die unterschiedlichen Konstruktionen, Stahlbeton, monolithisches Mauerwerk und Lehm-Mauerwerk, können zu einem einfachen, nachhaltigen Gesamtkonzept entwickelt werden. Die zulässige Gebäudehöhe wird durch die Dachkonstruktion mit den Maisonettewohnungen überschritten. Die Loggien der Gebäude B2.1 und B2.2 werden aus Schallschutzgründen voraussichtlich verglast ausgeführt werden müssen.
Mit seiner Gesamtqualität wird sich dieser Entwurf als eigenständiger Baustein gut in das Gesamtquartier einfügen.
Wirtschaftlichkeit und Baukosten:
Der Beitrag liegt im Wettbewerbsvergleich hinsichtlich der Kosten im Durchschnitt, liegt aber dennoch deutlich über dem vorgegebenen Budget. Im weiteren Verlauf sollten aus Gründen der Baukosten bzw. Wirtschaftlichkeit Themen wie Lehmmauerwerk und Aluminiumfenster überdacht werden. Die Erdgeschossfassade der Gebäude B2.1 und B2.2 zur Jüdenstraße sollte hinsichtlich der Kosten, u.a. aufgrund des hohen Glasanteils, geprüft werden.
In der Materialität der Fassaden und der Geradlinigkeit der Grundrisse deutet sich an, dass eine Reduzierung der Baukosten ohne Qualitätsverluste erreicht werden kann.
1. Preis: Los 2: Duplex Architekten GmbH / Kim Nalleweg / Gort Scott
Die Verfassenden schlagen drei Häuser vor, die sich angemessen deutlich voneinander unterscheiden. Alle Häuser nehmen sowohl in der Fassade als auch im Grundriss Motive der Berliner Gründerzeithäuser auf, ohne diese einfach zu kopieren. Vielmehr werden Aspekte der historischen Bauten so adaptiert, dass sie für das städtische Ensemble und heutige Nutzungen und Nutzer:innen gut funktionieren.
Die Jury beurteilt die sehr fein und detailliert gestalteten Fassaden sowie die gute Adressbildung außerordentlich positiv. Ebenso wird die besondere Struktur der Grundrisse – vor allem in den beiden Vorderhäusern – überwiegend gelobt. Durch die Anordnung gleich großer, nutzungsoffener Räume um ein großzügiges, flexibel nutzbares Vestibül sind die Wohnungen für unterschiedlichste Bewohner:innen-Konstellationen gut nutzbar.
Im Hinblick auf die förderfähigen Wohnungsgrößen entstehen ungewöhnlich großzügige Raumsituationen mit attraktiven Blickbeziehungen. In einzelnen Wohnungen wird die Anordnung der Schlafräume zur lärmbelasteten Straße hin kritisiert. Auch, dass das Gebäude etwas zu hoch ist, wird kritisch beurteilt.
Die vorgeschlagene Holzkonstruktion wird im Zusammenhang mit der komplexen Grundrissstruktur im Hinblick auf die Kosten hinterfragt. Der Wohnungsmix mit einer zu hohen Anzahl großer Wohnungen wird als nicht ideal beurteilt. Die Anmutung und räumliche Struktur des Gartenhauses überzeugen, die teils nicht barrierefreie Erschließung der Wohnungen im EG wird kritisch beurteilt.
Insgesamt beurteilt die Jury den Entwurf als eine sehr eigenständige und gelungene Interpretation historischer Berliner Häuser, mit der es gelingt, den drei Häusern einen eigenen, prägnanten Ausdruck zu verleihen und gleichzeitig ein sehr attraktives Wohnungsangebot auf überraschend kleinem Raum zu generieren.
Wirtschaftlichkeit und Baukosten:
Der Beitrag zeichnet sich durch vergleichsweise hohe Kosten aus, die deutlich über dem Budget liegen. Kritisch zu hinterfragen sind aus ökonomischer Sicht insbesondere die Natursteingesimse sowie die Holz-Alu-Fenster inklusive der gerundeten Laibungen. Ferner sind die Holzkonstruktion, teilweise mit Lehmbauplatten, sowie die geringe Orthogonalität und die damit verbundene fehlende Standardisierung der Bauelemente kostentreibend.
1. Preis: Los 3: Baumeister und Dietzsch Architekten / Eckert Negwer Suselbeek
Die Verfasser*innen schlagen für das Baufeld zwei Häuser aus Stein vor, deren Ausdruck sich auch aus der massiven Konstruktion ergibt. Ausgehend von sinnvollen Überlegungen zum nachhaltigen monolithischen Bauen werden die Baukörper sehr fein bis ins Detail entwickelt. Es gelingt den Verfasser*innen zwei deutlich unterscheidbare Häuser mit jeweils sehr eigenem Charakter zu entwickeln. Das Haus am Platz überzeugt durch eine angemessene Präsenz und Kraft an diesem besonderen Ort die durch eine prägnante Ausformulierung des Baukörpers, große sehr eigenständig gegliederte Öffnungen sowie einen gekonnten Umgang mit der Ecksituation der Kollonade entsteht. Kontrovers wir der geschlossene Giebel mit der Conche diskutiert, ebenso die Ausprägung des schmalen Giebels zum östlich anschließenden Baufeld.
Das kleinere Haus erinnern an historische Berliner Geschäftshäuser und ist ebenfalls gut gegliedert. Kontrovers wird diskutiert, ob die Struktur der Fassaden hier etwas zu kleinteilig geraten ist. Die Erschließung beider Häuser überzeugt, ebenso die Struktur und größtenteils auch die Funktionalität der Grundrisse. Kritisch wird die Belichtung der Büroflächen im Dach gesehen, ebenso wie die Teilbarkeit der Flächen an dieser Stelle. Insgesamt beurteilt die Jury den Entwurf als einen sehr eigenständigen, prägnanten und konzeptionell, konstruktiv sowie funktional überzeugenden Vorschlag, der den Stadtraum an diesem besonderen Ort mit angemessener Präsenz ergänzen würde.
Kosten:
Der Beitrag weist absolut sehr hohe Kosten auf. In Bezug auf die Kosten pro m² Mietfläche stellt sich der Entwurf günstiger dar. Sowohl die absoluten als auch relativen Kosten liegen deutlich über den Vorgaben.
Aus Wirtschaftlichkeitsgründen ist die Außenwandkonstruktion aus tragendem Naturstein und dahinliegendem dämmendem Hanf-Kalkstein zu hinterfragen. Kostentreibend wirken sich ferner die komplexen Fensterstrukturen (Holz-Kastenfenster bzw. kleinteilige Fensterstrukturen) sowie die Profilierung in der Natursteinverkleidung aus. Insgesamt weist der Entwurf die höchsten Fassadenkosten auf.
↑3. Preis
3. Preis: Los 1: Jordi Keller Pellnitz Architekten GbR / Prof. Kollhoff Generalplanungs-GmbH / Prof. Uwe Schröder Architekt
Die Verfassenden schlagen für die drei Häuser eine sehr einfache, aus der Berliner Tradition entwickelte, Sprache vor. Die wichtigen Bauteile, eine einfache, natursteinbekleidete Sockelzone, der Hauptteil verputzt, mit stehenden Fensterformaten und durchweg geneigte Ziegeldächer (‚Berliner Dächer‘), werden durch differenziert profilierte Gesimse voneinander abgesetzt. Daneben erhält jedes der drei Häuser ein eigenes, aus seinem jeweiligen Standort abgeleitetes Thema: das Haus in der Jüdenstraße mit dem niedrigen von zwei Säulen flankierten Eingangsportal, das Eckhaus mit Arkade und dem ungewöhnlichen, asymmetrischen Portal an der Jüdenstraße und das lange Haus an der Grunerstraße mit einer Fassadeninkrustation, die an die beiden Vorgängerbauten erinnert.
Diese so klare wie selbstverständliche Strategie wird – nicht zuletzt, wegen ihrer Allgemeingültigkeit – als der Aufgabe angemessen gewürdigt. Dennoch werden einzelne Lösungen kritisiert: die asymmetrische Fassade des Eckhauses zur Jüdenstraße bewältigt das (selbst gestellte) Thema aus dem Zusammentreffen von Arkade, Eingang und der mit Serliana betonten Symmetrie letztlich nicht und auch das Relief an der Grunerstraße wird kontrovers diskutiert. Ob die hier vorgestellte Architektur ein zeitgemäßer Beitrag zu einem innerstädtischen Neubau ist, bleibt offen. Dies auch, weil das klare, kraftvolle Bild nicht immer glücklich zu den geplanten Nutzungen findet.
Die Zugänge zu den Gewerbeeinheiten über die Portalnischen werden als nicht praktikabel eingeschätzt, die Lochfassade mit einem Fensterabstand von über 2m ist für eine Büronutzung unpassend. Die ausschließlich über einen Laubengang im Süden erschlossenen Kleinwohnungen in Haus B1.1 (mit Schlafräumen zur Straße) werden kritisch gesehen und auch der für das 5.OG dar-gestellte Saal stellt keine gute Lösung für die große Raumtiefe der Büroflächen des Eckhauses B1.2 dar.
Die vorgeschlagene, weitgehend monolithische Bauweise mit überwiegend verputzten Fassaden ist dem architektonischen Ausdruck angemessen und prinzipiell wirtschaftlich. Hinsichtlich der Kennzahlen liegt der Vorschlag im mittleren Bereich der eingereichten Arbeiten, damit allerdings auch oberhalb des angestrebten Budgets. Dazu tragen v.a. einzelne aufwendigere Bauteile (Rippendecken, Holz-Alu-Fenster, Gauben) bei.
Insgesamt ein kultivierter Beitrag, der seine nach Allgemeingültigkeit strebende Kraft aus einer präzisen Analyse des Berliner Kontexts bezieht, der aber gerade wegen dieser so direkten Bezugnahme auch manch unglücklichen Widerspruch in Kauf nimmt.
Denkmalschutz:
Die Einbindung des archäologischen Fundes im Untergeschoss profitiert einerseits von der Lage des Aufzugs, der nicht im sensiblen archäologischen Bereich liegt. Andererseits wird dieser Vorteil durch das Runterziehen des Treppenkerns in das Untergeschoss wieder aufgehoben. Im Erdgeschoss sind die Sichtbarkeit und die Zugänglichkeit eingeschränkt, hier bedarf es einer klareren Adressierung.
3. Preis: Los 1: Von Ey Architektur GmbH / PHR Planung und Stadtentwicklung GmbH, Philipp Rentschler / jessenvollenweider architektur ag
Die Arbeit zeichnet sich durch die individuelle Ausprägung der drei Häuser aus, die jeweils architektonisch eigenständig bleiben und zugleich den Ensemblecharakter wahren. Entsprechend der jeweiligen Lage und Ausrichtung der einzelnen Gebäude entwickeln sich differenzierte Ansichten, die zugleich dem einheitlichen Prinzip der Dreigliedrigkeit von Sockel, Mittelteil und Dach klar folgen.
Das Eckgebäude bildet einen markanten Auftakt und stellt zugleich überzeugende Bezüge zu den angrenzenden Gebäuden an der Gruner- und Jüdenstraße her. Eine Besonderheit bildet die Verschiebung der Gebäudeabschnitte entlang der Grunerstraße, wodurch beim Eckgebäude drei zusätzliche Fensterachsen und beim Wohnhaus an der Jüdenstraße ein Seitenflügel entstehen. Diese zusätzlichen Fensterachsen schaffen einen gelungenen Übergang zum benachbarten Wohn- und Geschäftshaus und bieten zugleich einen Mehrwert für die Bürogrundrisse in den Eck-bereichen.
Die Fassaden des Wohn- und Geschäftshauses sind sowohl vertikal als auch horizontal gegliedert und bilden die unterschiedlichen Nutzungen ab. Kontrovers bewertet wird jedoch der Abschluss und Übergang zum Eckgebäude sowie die stark differenzierte Fassadengliederung zur Grunerstraße, die insbesondere kein angemessenes Gegenüber zum Roten Rathaus bildet. Der zum Stadthof zurückgestaffelte Baukörper nimmt einerseits Bezug auf die Höhenentwicklung der gegenüberliegenden Bebauung und findet andererseits eine überzeugende Lösung für die Integration der Solarpaneele. Die Grundrisse der drei Gebäude sind hinsichtlich der Nutzungen und Erschließungen gut strukturiert. Für das Wohn- und Geschäftshaus ist der Treppenraum mit nur einem Aufzug jedoch zu gering dimensioniert.
Die Wohneinheiten entsprechen teilweise nicht den Anforderungen der Auslobung, insbesondere die großen Wohnungen im Wohnhaus an der Jüdenstraße werden kritisch bewertet.
Positiv hervorzuheben ist die Integration der archäologischen Funde, die über die Zugänge von der Grunerstraße sowie über den Durchgang von der Jüdenstraße erreichbar und über das große Fenster von der Grunerstraße erlebbar werden.
Das Projekt liegt nicht im Rahmen des vorgegebenen Budgets und sollte insbesondere in der Fassadendetaillierung überarbeitet werden.
Insgesamt stellt die Arbeit einen guten Beitrag zu einem städtischen Ensemble mit differenzierten, charaktervollen Einzelbauten dar.
Denkmalschutz (LDA):
Die Lage der Aufzüge und Erschließung respektiert die archäologische Befundsituation im Untergeschoss und bietet zugleich hinreichende Zugänge.
Die gestalterische Betonung des archäologischen Fensters in der Fassade wird begrüßt, auch wenn dort zunächst nicht das archäologische Fenster, sondern erst eine Vorfläche im Erdgeschoss von außen sichtbar ist.
3. Preis: Los 2: Os Arkitekter / C.F. Møller / ADEPT
Die Arbeit 6010 formuliert eine für den Ort angemessene großstädtische Haltung, welche sowohl der Bedeutung im historischen Zentrum Berlins als auch der Funktion als Wohn- und Geschäftsquartier gerecht wird. Zur Jüdenstraße hin werden zwei Fassaden als Tripartito von Sockel, Mittelbau und Dach gebildet, welche sich in subtilen Details voneinander unterscheiden und damit der übergreifenden Idee von individuell formulierten Gebäuden gerecht werden, gleichwohl aber auch miteinander harmonieren.
Die Formensprache ist klassisch, jedoch rational und zurückhaltend. Die Vielzahl und das vergleichsweise kleine Format der Fenster wird kontrovers diskutiert; nach außen lässt sie das Gebäude größer erscheinen als es ist.
Das Prinzip der gleichmäßigen Reihung sowie die Proportionierung werden gewürdigt. Im Innenraum lassen die Vielzahl und Gleichartigkeit der Öffnungen eine große Flexibilität in der Aufteilung der Räume zu.
Das Gartengebäude ist in seiner Architektursprache reduzierter, weist jedoch Vor- und Rücksprünge und zum Gartenhof hin zusätzlich Balkone. Es wirkt nüchtern und gelassen, aber nicht monoton.
Die Gebäudegrundrisse sind klar und seriell strukturiert. Für alle Gebäude wurde eine Spännertypologie gewählt, die Erschließungskerne sind untereinander gleich beziehungsweise ähnlich, die Grundrisse der Gebäude an der Jüdenstraße sind gespiegelt. Damit besteht ein hohes Potenzial für eine rationelle und wirtschaftliche Ausführung. Das baukonstruktive Prinzip eines massiven Betonsockels mit darüberliegender Holzhybridkonstruktion bietet die Möglichkeit einer Vorfertigung und von insgesamt geringen CO2-Emissionen.
Kontrovers diskutiert wird, ob die vergleichsweise konventionellen Grundrisse dem durch die Fassaden zur Jüdenstraße hin vermittelten großzügigen Eindruck entsprechen können. Gleichwohl wird der Entwurf als möglicher Weg gesehen, dem immanenten Widerspruch von großstädtischer Architektur und sozialem Wohnungsbau gerecht zu werden.
Wirtschaftlichkeit und Baukosten:
Der Kosten des Beitrags liegen oberhalb des Durchschnitts der Wettbewerbsarbeiten und über dem vorgegebenen Budget. Die Flächeneffizienz sollte optimiert werden. Kostentreibend wirken sich die kleinteiligen Fensterstrukturen in hoher Stückzahl aus. Ferner werden die Holz-Hybrid-Bauweise sowie die Geometrie der Balkone (abgerundete Ecken) kritisch gesehen.
3. Preis: Los 3: Eingartner Khorrami Architekten / Bernd Albers Gesellschaft von Architekten
In Erinnerung an den historischen Ort und seine städtebauliche Bedeutung schlagen die Verfasser einen prägnanten Stadtbaustein vor, der am Molkenmarkt einen kraftvollen und identitätsstiftenden Auftritt schafft. Die Bebauung gliedert sich nach Aussen in drei aufeinander abgestimmte, eigenständige Hauseinheiten, die in ihrer Abfolge ein harmonisches Gesamtbild ergeben.
Durch die gezielte Höhenstaffelung und die markante Eckausbildung entsteht ein städtebaulich überzeugendes Ensemble. Eine Besonderheit ist die Ausbildung der Kolonnade, die mit dem frei auskragenden Korbbogen einen prägnanten Auftritt schafft.
Jedes Haus erhält dabei eine eigene Gliederung mit je unterschiedlichen Fassadenöffnungen, wobei die Unterteilung in Sockel-, Mittel- und Attikabereiche individuell entwickelt wird.
Insgesamt entsteht so ein harmonisches Gesamtbild mit eleganten und ausdrucksstarken Einzelhäusern.
Die Fassaden aus hellem Naturstein werden durch eine Vielzahl an Details bereichert. Der architektonische Ausdruck wird in dem Gremium kontrovers diskutiert und als zeitgemäßer Auftritt hinterfragt.
Selbstverständlich erscheinen die Hausadressen zur Grunerstraße und zum Molkenmarkt hin. Die Zugänge zu den Gewerbeflächen sind – insbesondere im Eckbereich – gut erschlossen.
Im Erdgeschoss entstehen flexibel nutzbare Gewerbeflächen, die im Eckbereich über eine große Freitreppe bis ins Obergeschoss geführt werden. Die Grundrissstruktur bietet eine gute Grundlage für flexibel nutzbare Flächen. Die Lage der Erschließungskerne ist hinsichtlich der Aufteilung in getrennte Büroeinheiten gut gelöst. Die Arbeit ist hinsichtlich des konstruktiven Aufbaus und der architektonischen Konzeption ganzheitlich gedacht. Die Außenwände sind als tragendes Natursteinmauerwerk mit einer Wandstärke von 50 cm geplant. Die Nutzflächen werden in diesem Entwurf nicht optimal ausgenutzt.
Insgesamt zeichnet sich dieser Entwurf insbesondere durch seine klare städtebauliche Haltung.
Kosten:
Der Beitrag weist sehr hohe Kosten pro m² Mietfläche, eine schlechte Flächeneffizienz und die deutlich geringsten Flächen aus. Sowohl hinsichtlich der BGF, der Kosten (sowohl relativ als auch absolut) als auch der Flächeneffizienz erfüllt der Beitrag nicht die Vorgaben.
Aus Wirtschaftlichkeitsgründen ist die Außenwandkonstruktion aus tragendem Naturstein und dahinterliegendem dämmendem Hanf-Kalkstein sowie die innenseitige 10cm starke Natursteinverkleidung im Erdgeschoss (Gesamtaufbau Außenmauer rd. 60 cm) negativ. Der Natursteinanteil ist hoch und somit kostentreibend.
3. Preis: Los 3: Schmitt von Holst Architekten Partnerschaft mbB / van geisten.marfels architekten. PartG mbB
Die Verfasser entwickeln ihren Beitrag ‚entlang klassischer Prinzipien der Architektur zu Berliner Geschäftshäusern des 21. Jahrhunderts.‘ Auf dieser Basis gebe der Entwurf ‚eine zeitgemäße Antwort auf die Anforderungen der Auslobung‘. Die Ausbildung einer Fassadenordnung mit hoher Sockelzone, eingeschossigem Hauptteil und durch einen schmalen Pfeiler geteilten Fenstern in den Obergeschossen scheint klassischen Prinzipien zu folgen, bleibt aber über die Geste einer abstrahierenden Vereinfachung die behauptete ‚zeitgemäße Antwort‘ schuldig. Proportionen, wie zum Beispiel das Verhältnis der übergroßen, weitgehend ungegliederten Schaufenster im Erdgeschoß zum Fassadenrhythmus in den Oberschossen, sind nicht immer glücklich.
Kritisch wird der Umstand gesehen, daß beide Fassaden zum Molkenmarkt trotz geringer Höhen-unterschiede hinsichtlich ihrer Gliederung gleich behandelt werden. Die angestrebte Wirkung zweier selbständiger Häuser wird so nicht erreicht. Eine besondere Schwierigkeit stellt die fehlenden Stütze an der nordwestlichen Gebäudeecke dar: um die Wirkung der weiten Auskragung zu mildern antworten die Verfasser hier mit einer leicht abgerundeten Gebäudeecke – ein Vorschlag der anerkannt wird, der letztlich aber nicht vollständig überzeugen kann.
Die Obergeschosse werden über ein mittiges Treppenhaus erschlossen. Dem Gewinn an Flächeneffizienz stehen Nachteile für die Nutzung des Erdgeschosses (Teilung der Fläche), die Be-schränkung auf nur eine Adresse für zwei Häuser und die Notwendigkeit gegenüber, die Höhenversprünge in den Obergeschossen im Treppenraum (u.a. Über-Eck-Aufzug) zu vermitteln.
Die Nutzbarkeit der Obergeschosse ist dennoch grundsätzlich gut, verschiedene Teilungen bis hin zu größeren zusammenhängenden Einheiten sind möglich.
Die vorgeschlagenen Konstruktionen sind schlüssig und lassen eine wirtschaftliche Errichtung erwarten. Die städtebaulichen Rahmenbedingungen der Auslobung zur Gebäudekubatur sind weit-gehend eingehalten.
Insgesamt ein sauber durchgearbeitet Entwurf der allerdings hinsichtlich seiner architektonischen Wirkung der exponierten Lage im Stadtraum nicht ganz gerecht zu werden vermag.
Kosten:
Der Beitrag weist eine hohe Flächeneffizienz auf. Die absoluten Kosten sind sehr hoch, die relativen Kosten pro m² Mietfläche sind aufgrund der hohen Flächeneffizienz etwas günstiger.
Sowohl die relativ als auch absoluten Kosten liegen deutlich über den Vorgaben. Kostentreibend wirkt sich der hohe Natursteinanteil an der Fassade des Gebäudes 3.2 aus, unter anderem in Verbindung mit der vorgeschlagenen Holz-Rahmenkonstruktion und den Schmuckelementen an der Fassade (Lisenen, Gesimse, etc.).
↑Engere Wahl
Engere Wahl: Los 1: NOTO Basista Becker Jansen Architekten Partnerschaft mbB/ Riemann Gesellschaft von Architekten
Die Verfassenden schlagen drei Häuser vor, die sichtbar zu einer „Familie“ gehören sich aber doch in relevanten, sehr fein durchdachten und bearbeiteten Details sichtbar unterscheiden, so dass eine angemessene Vielfalt für den städtischen Raum entsteht. Typische Merkmale städtischer Häuser wie Kolonnaden, Gesimse und Risalite werden auf einfache und doch feine Weise interpretiert und eingesetzt, so dass eine gute Differenzierung und Adressbildung entstehen. Die Jury lobt die Tiefe der Detailgestaltung, die bei genauerem Hinsehen auf den zweiten Blick sichtbar wird. Etwas kontrovers wird diskutiert, ob die Anmutung des Gebäudeensembles als Gegenüber zum Roten Rathaus prägnant genug ist und ob die drei Gebäude deutlich genug ablesbar sind. Ebenso wird diskutiert, ob die Adressbildung prägnant genug ist.
Die Grundrisse der Büro- und Wohngeschosse funktionieren größtenteils gut, die Jury lobt die teilweise sehr eigenständigen, interessanten Grundrisslösungen für die Wohnungen im Langhaus (Gebäude B1.1). Kritisch wird allerdings gesehen, dass eine größere Zahl von Schlafräumen zur lauten Straße ausgerichtet ist und dass es drei sehr kleine Wohnungen je Etage gibt, die ausschließlich nach Norden und zum Lärm orientiert sind. Ebenso werden das Entrée und die Erschließung im Langhaus kritisiert die in ihrer Dopplung und Verschneidung so nicht sinnvoll erscheinen.
Durch eine eher geringe Flächeneffizienz und eine relativ aufwendige Rohbaukonstruktion wird der Entwurf im Hinblick auf die wirtschaftlichen Belange kritisch gesehen.
Insgesamt beurteilt die Jury diesen Beitrag als eine sehr gut durchdachte, bis ins Detail fein gestaltete Lösung, die die vielfältigen und präzisen Anforderungen der Auslobung an diesem besonderen Ort sehr angemessen interpretiert.
Denkmalschutz (LDA):
Die Einbindung des archäologischen Befundes im Untergeschoss ist an mehreren Stellen problematisch beziehungsweise noch nicht vollständig gelöst: Besonders kritisch sind die Lage der Aufzüge von Haus B1.1 sowie das Erfordernis der zwei Stützenreihen für die Tragkonstruktion zwischen den Außenwänden.
Engere Wahl: Los 2: Heide & von Beckerath PartG mbB / SUMMACUMFEMMER Architekt*innen PartGmbB / APPARATA (Apparat Build Limited)
Der Entwurf setzt auf zwei miteinander korrespondierende Stadthäuser an der Jüdenstraße sowie einen Gebäuderiegel im Innenhof, der sich in zwei klar ablesbare Hauseinheiten artikuliert. Bewusst setzen die Verfasser:innen auf unterschiedliche architektonische Haltungen der Häuser B2.1 und B2.2 gegenüber den öffentlichen und – Haus B2.3 – den halböffentlichen Stadträumen.
Zur Jüdenstraße hin gliedert sich die Bebauung in zwei Baukörper mit jeweils schrägen Dachrändern, die in ihrer Herleitung und Ausformulierung nicht nachvollziehbar sind und keinen Bezug zur Typologie traditioneller Dächer aufnehmen.
Durch die einheitlich gestalteten Sockel- und Mittelzonen entsteht ein undifferenziertes Fassadenbild, das hinsichtlich der Parzellierung und der Ablesbarkeit der einzelnen Stadthäuser nicht überzeugen kann.
Die plastische Gliederung des Sockelbereichs erzeugt besondere Aufmerksamkeit: Die Eingangsbereiche werden durch starke Auskragungen betont. Diese abstrakt skulpturale Gestaltung überzeugt im historisch geprägten Umfeld nicht. Die Fassaden sind als Lochfassaden konzipiert, die Öffnungen korrespondieren in einzelnen Bereichen nicht mit den Darstellungen der Grundrisse. In Bezug auf die gewählte Dachschräge und Geometrie erhält die Außenwand von Haus B2.2 zur Jüdenstraße einen leichten Knick, der als formale Geste erscheint und beliebig wirkt.
Die Gartenhäuser zeichnen sich hingegen durch konzeptionelle Klarheit aus. Sie sind nach außen in einzelne Abschnitte rhythmisiert, die die Grundrissstruktur folgerichtig widerspiegeln. Zu den Stadt- und Gartenhöfen zeigen sich die differenzierten Fassaden mit einer gut proportionierten Abfolge von Fensteröffnungen und Loggien.
Die Wohnungsgrundrisse der Gartenhäuser entsprechen grundsätzlich den Anforderungen der Auslobung.
Die Grundrisse der beiden Stadthäuser sind spiegelgleich entwickelt. Die Erschließungsräume orientieren sich zur Jüdenstraße, die Wohnungen sind als durchgesteckte bzw. einseitig orientierte Einheiten umgesetzt. Die einzelnen Wohnungen erfüllen im Wesentlichen die Vorgaben der Auslobung, auch im Wohnungsmix, werden in ihrer Qualität jedoch teilweise kritisch bewertet.
Insgesamt zeichnet sich die Arbeit durch einen gleichzeitig ambitionierten und pragmatischen Ansatz aus. Die architektonische Haltung überzeugt an diesem bedeutenden Ort jedoch nicht.
Wirtschaftlichkeit und Baukosten
Der Beitrag weist Kosten oberhalb des vorgegebenen Budgets aus, im Vergleich zu den sonstigen Wettbewerbsbeiträgen liegt der Beitrag im Mittelfeld. Kritisch zu sehen ist die geringe Flächeneffizienz des Beitrags, die deutlich unterhalb der Vorgaben liegt.
Kostentreibend wirken sich der Holzbau (u.a. Brettschichtholzdecken) und die damit notwendigen Schüttungen sowie das außenliegende Tragwerk aus, welches zu komplexen Anschlüssen zwischen den einzelnen Tragwerkskonstruktionen führt.
Engere Wahl: Los 3: Ortner & Ortner Baukunst Gesellschaft von Architekten mbH / B E H L E S & J O C H I M S E N Gesellschaft von Architekten mbH BDA
Der Entwurf 7009 bildet die Gebäude 3.1 und 3.2 vollständig voneinander getrennt aus. Die Erschließung erfolgt entsprechend gut positioniert von der Gruner Straße und vom Molkenmarkt. Die Gestaltung der Fassaden unterstützt diesen Planungsansatz. Über die höhengleiche Ausführung der Geschosse wird trotzdem gewährleistet, dass zwischen die beiden Gebäude für eine großflächige Vermietung zusammengeschaltet werden können. Die Eingänge zu den Gewerbeflächen im Gebäude 3.1 erfolgen direkt vom Molkenmarkt. Der Eingang zur Gewerbefläche im Eckgebäude liegt mit einer anderen Adressierung zum Molkenmarkt als der Büroeingang Grunerstraße.
Die Entwurfsverfasser gestalten das Gebäude Am Molkenmarkt im Sinne einer städtischen Normalität mit Natursteinsockel im Erdgeschoss, einer geputzten Fassade in den Obergeschossen und einer durch Gauben stark strukturierten Dachfläche.
Mit einer kräftig gestalteten Fassadenkonstruktion im 1.Obergeschoss gelingt es der VerfasserIn, die stützenfreie Ecke und die Arkade zur Grunerstraße mit den großflächigen Schaufenstern Am Molkenmarkt zu verbunden. Mit der Gestaltung der weiteren Geschosse entwickelt der Entwurf eine selbstverständliche Eckbetonung. Die Jury sieht das zurückspringende Staffelgeschoss allerdings sehr kritisch und erkennt keine angemessene Reaktion auf das gegenüberliegende rote Rathaus.
Das Eckgebäude ist mit einem beigen Kalkstein verkleidet. Durch die differenzierte Bearbeitung der Oberfläche in den geschossen wird die Tiefendifferenzierung der Fassade verstärkt.
Die Jury würdigt die sorgfältige Durcharbeitung des Entwurfes, der jedoch nicht die erforderliche städtebauliche und architektonische Kraft entwickelt, die für diesen wichtigen Ort erforderlich.
Kosten:
Sowohl hinsichtlich der absoluten Kosten als auch der Kosten pro m² Mietfläche weist der Beitrag sehr hohe Kosten auf und liegt deutlich über den Vorgaben. Hinsichtlich der Flächeneffizient werden die Vorgaben nicht erfüllt.
Durch die hohe Anzahl an Gauben, deren Gestaltung und dem Glasanteil am Dach sind die Dachkosten die höchsten aller Wettbewerbsteilnehmer. Kostentreibend ist ferner der hohe Natursteinanteil mit unterschiedlichen Fassadentiefen im Bauteil 3.2.