RDZ | Rathaus der Zukunft

In der Mitte Berlins auf dem Areal „Haus der Statistik" soll ein urbanes Quartier mit besonderer programmatischer und sozialer Mischung entwickelt werden. Mit breiter Mitwirkung der Zivilgesellschaft entstehen Flächen mit einem Nutzungsmix aus Kultur, Bildung, Sozialem, öffentlicher Verwaltung und bezahlbarem Wohnraum. Grundlage der Entwicklung ist ein städtebaulicher Rahmenplan, der auf Basis des Ergebnisses eines städtebaulichen Werkstattverfahrens von 2018/2019 erarbeitet und im Februar 2024 beschlossen wurde.

Gegenstand des Wettbewerbs ist ein Rathaus-Neubau, der im Rahmen der städtebaulichen Entwicklung auf dem nördlichen Grundstücksteil des Areals errichtet werden soll. Der Neubau soll Nutzungen und Funktionen des momentanen Rathauses des Bezirks Mitte in der Karl-Marx-Allee 31 ersetzen und in einem zukunftsorientierten Verwaltungsgebäude Platz für weitergehende Funktionen anbieten. Der Neubau setzt sich aus öffentlichen Flächen (z.B. Bibliothek, Kantine, Ausstellung), teilöffentlichen sowie Flächen für die Fachämter des Bezirksamtes Mitte zusammen. Das moderne Verwaltungsgebäude soll das Areal des Quartiers maßgeblich mitprägen.

Erwartet wird eine vorbildliche Planung, die durch ein überzeugendes Gesamtkonzept aus architektonischer Gestalt, modernen Nutzungs- und Arbeitsplatzkonzepten in Zusammenspiel mit einem nachhaltig und integral geplanten Tragwerk und Energiekonzept wegweisend für einen modernen Verwaltungsbau ist und so dem Anspruch an ein Rathaus der Zukunft gerecht werden kann.

Die Planung der direkt angrenzenden Freianlagen des gesamten Bereiches rund um das Rathaus ist Bestandteil der Realisierung. Als freiraumplanerischer Ideenteil soll das Areal entlang der Otto-Braun-Straße im Wettbewerb mit betrachtet werden und als Grundlage für einen nachfolgenden freiraumplanerischen Realsierungswettbewerb dienen.

Für den Neubau wird eine Nachhaltigkeitszertifizierung in BNB „Gold“ angestrebt. Für eine bestmögliche Öko-Bilanz des Neubaus soll der Rathausneubau mit dem höchstmöglichen Anteil von nachwachsenden Rohstoffen, insbesondere Holz, gebaut werden. Bei den darüber hinaus nötigen Rohstoffen soll verstärkt darauf geachtet werden, dass sie aus recyceltem Material sind (gemäß Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung Mitte von Berlin vom 20.08.2020).

Für den Rathausneubau liegt ein bewilligtes Bedarfsprogramm mit Baukosten in Höhe von 114,08 Mio. Euro brutto (KG 300-400) vor. Für die Freianlagen (KG 500, inkl. Ideenteil) sind insgesamt 9,5 Mio. EUR brutto veranschlagt. Für den Realisierungsteil der KG 500 (ca. 1.100 m²) sind davon 1,28 Mio. EUR brutto veranschlagt.

Das Raumprogramm des Neubaus beträgt 19.412 m² Nutzungsflächen.

Das Bauvorhaben wird aus Mitteln des Landes Berlin finanziert. Geplanter Beginn der Baumaßnahme ist 2029, Fertigstellung und Inbetriebnahme des Rathauses ist für 2034 geplant.

Wettbewerbsunterlagen

Alle Informationen und Unterlagen zum Wettbewerb finden Sie auf der Projektwebseite von wettbewerbe aktuell oder auf der Homepage von berlin.de.

RDZ

Ort

Berlin

Auftraggeber:in

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Berlin

Verfahren

Offener, 2-phasiger, interdisziplinärer Realisierungswettbewerb mit freiraumplanerischem Ideenteil

Projektzeitraum

2024/2025

Wettbewerbssumme

911.000€

Ansprechpartner:in

Katrin Bade
bade@c4c-berlin.de

Termine

  • Ausgabe der Auslobung
    August 2024
  • Ortsbesichtigung
    August 2024
  • Rückfragen 1. Phase
    August 2024
  • Digitale Abgabe der Unterlagen 1. Phase
    August 2024
  • Preisgerichtssitzung 1. Phase
    Dezember 2024
  • Rückfragen 2. Phase
    Januar 2025
  • Digitale Abgabe der Unterlagen 2. Phase
    Februar 2025
  • Preisgerichtssitzung 2. Phase
    April 2025

Preisgericht

Fachpreisrichter*innen

Axel Lohrer, Landschaftsarchitekt, Berlin
Birgit Rapp, Architektin, Amsterdam
Prof. Dr. Mike Schlaich, Ingenieur für Tragwerksplanung, Berlin
Prof. Elisabeth Endres, Architektin, München / Kirchheim
Prof. Maria Clarke, Architektin, Berlin

Sachpreisrichter*innen

Dr. Jan Herres, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Referatsleitung V B
Ephraim Gothe, Bezirk Mitte von Berlin, Stellvertretender Bezirksbürgermeister und Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung und Facility Management
Prof.in Petra Kahlfeldt, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Senatsbaudirektorin
Stefanie Remlinger, Bezirk Mitte von Berlin, Bezirksbürgermeisterin

Ständig anwesende stellvertretende Fachpreisrichter*innen

Bernhard Schwarz, Landschaftsarchitekt, Berlin
Prof. Andreas Garkisch, Architekt, München
Prof. Matthias Rudolph, Ingenieur für Gebäudetechnologie und klimagerechtes Entwerfen, Stuttgart
Prof. Roger Boltshauser, Architekt, Zürich/München
Rita Ahlers, Architektin & Stadtplanerin, München/Berlin

Stellvertretende Sachpreisrichter*innen

Anina Böhme, Leiterin Referat II A, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, Berlin
Christoph Keller, Bezirksstadtrat für Jugend, Familie und Gesundheit, Bezirk Mitte von Berlin
Christopher Schriner, Bezirksstadtrat für Ordnung, Umwelt, Natur, Straßen und Grünflächen, Bezirk Mitte von Berlin
Dr. Christian von Oppen, Leitung der Stabstelle Architektur, Stadtgestaltung, Planung, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen
Kristina Laduch, Leiterin des Fachbereichs Stadtplanung, Bezirk Mitte von Berlin

Projekt-Ergebnisse

1. Preis

Titelbild 1005 Architektur

1. Preis: Atelier Schmelzer Weber Architekten PartGmbB, Dresden mit Storch. Landschaftsarchitektur, Dresden

Architektur

Atelier Schmelzer Weber Architekten PartGmbB, Dresden 
Paul Schmelzer, Peter Weber
Johannes Hermann, Patrick Wenske, Matthias Ziegler, Jenas Rehwagen, Helena Nienhaus

Freiraumplanung

Storch. Landschaftsarchitektur, Dresden 
Robert Storch
Roya Keyhani

Fachberatende

BfB – Büro für Baukonstruktionen GmbH 
(Fachbereich: Tragwerk)
 
IPROconsult GmbH 
(Fachbereich: TGA)
 

Die Arbeit 1005 schafft mit einem dreigeschossigen Sockel, einem 18-geschossigen Hochpunkt mit 68,70 m Höhe entlang der Otto-Braun Str. und einem 6-geschossigen versetzten Baukörper mit 45 m Höhe nach Osten zur Wohnbebauung eine klare städtebauliche Ordnung.

Das Sockelbauwerk mit den öffentlichen Nutzungen zeigt eine eigenwillige gefaltete Fassadenstruktur, die sich im DG mit den öffentlich genutzten Trauräumen wiederholt und so auch das Erscheinungsbild der Fassade klar strukturiert. Die Ebenen für die Verwaltungsnutzung setzen den Grundgedanken subtil mit zurückhaltender Stützenausbildung fort. So zeigt die mit einem Naturstein (Berliner Muschelkalk) bekleidete Fassade auch nach außen die beiden Hauptnutzungen aus Verwaltung und öffentlichem Raumangebot, weithin sichtbar durch den kronenartigen Dachabschluss. Die umlaufenden Kolonnaden im EG wurden kontrovers diskutiert. Sie bieten einerseits eine öffentliche Schicht zum Verweilen und mit dem Rücksprung eine natürliche Verschattung, so dass die Eingangsebene nicht spiegelt und einsehbar ist. Gleichzeitig werden die Kolonnaden im alltäglichen Gebrauch nicht ohne Herausforderungen sein.

Die Haupterschließung von Rathausplatz ist städtebaulich richtig gesetzt und lädt mit großzügigen Treppenanlagen innen in den mit guter Lichtführung und mit Zenitlicht hellen

öffentlichen Bereich ein. Allerdings wird der Bereich zwischen Eingang und Treppenantritt als zu knapp erachtet.

Die Grundrisse sind klar gegliedert und L-förmig in den Ebenen unterteilt, dies ermöglicht eine gute Orientierung. So sind vom Haupteingang, mit guter Wegeführung und räumlicher Inszenierung der Treppe gut auffindbar, Bibliothek und Ausstellung im 1. OG und darüber im 2. OG BVV-Saal mit zugeordneten Fraktionsbüros zu erreichen. Dem BVV-Saal sind ein großzügiges Foyer und eine Außenterrasse zugeordnet. Positiv bewertet wurde die gute Erreichbarkeit. Kritisch hinterfragt wurde die mit 4,40 m eher knappe Geschosshöhe des EG.

Die räumlichen Zusammenhänge sind gut gelöst. Der Hochpunkt, der sich als Scheibe erhebt, nutzt umlaufend die Fassaden für natürlich belichtete und belüftbare Büros. Die Treppenhäuser, Besprechungsangebot und Nebenflächen sind klassisch in der Gebäudemitte situiert. Der klar strukturierte Grundriss zeigt nicht, wo die Tragstruktur und Stützen verortet sind – diese sind für die Raumausbildung aber entscheidend.

Prallscheiben und Sonnenschutz an den Fassaden, eine robuste Natursteinbekleidung und solide Grundstrukturen im Innenraum sprechen für ein ehrliches und realistisches Projekt, die veranschlagten Kosten liegen im Rahmen. Die Abstandsflächen sind im Wesentlichen eingehalten.

Die Arbeit stellt einen gelungenen Beitrag zur Aufgabe –„Rathaus der Zukunft“ dar. 

Die städtebauliche Situierung zusammen mit der zurückhaltend eleganten Erscheinung werden positiv hervorgehoben, ebenso wie die Öffnung des Hauses für die Öffentlichkeit. Gleichzeitig sorgt der Entwurf für Büroflächen für die Verwaltung, die sowohl Sicherheitsaspekte berücksichtigen als auch ungestörtes Arbeiten ermöglichen.

Die ungewöhnliche Fassadengestaltung fügt sich mit ruhigem Gesamtausdruck ein und zeigt mit oben abschließender „Krone“ eine selbstbewusste wiedererkennbare Haltung.

Titelbild 1011

1. Preis: Ideenteil Freianlage: ARGE Büro Hacke & Guillen Esteras Architects, Berlin mit POLA Landschaftsarchiteckten GmbH, Berlin

Architektur

ARGE Büro Hacke & Guillen Esteras Architects, Berlin 
ARGE Büro Hacke & Guillen EsterasArchitects
Yannick Guillen, Francisco Esteras de las Heras, Max Hacke

Freiraumplanung

POLA Landschaftsarchiteckten GmbH, Berlin 
Jörg Michel
Sara Perovic, Anton Skoruppa, Theo Pietronave

Fachberatende

Büro Happold GmbH 
(Fachbereich: Tragwerk)
 
Büro Happold GmbH 
(Fachbereich: TGA)
 

Die Ausformulierung des Freiraums als rhythmische Abfolge von Plätzen, Aktivitätsbereichen sowie Vegetationsinseln wird als positive räumliche und funktionale Gliederung gewürdigt. Der Freiraum funktioniert sowohl als fließender Raum als auch in der Sequenzierung von Nutzungsorten und Passagen in den Bereich östlich des Hauses der Statistik. Die Gestaltung mit Baumgruppen und Nutzungsnischen ermöglicht soziale Interaktion und wirkt sich positiv auf die ökologische Vielfalt und das Stadtklima des Ortes aus.

Die Reihen und Haine aus Schnur- und Amberbäumen werten das Gebiet auf und können in ihrer Setzung überzeugen. Die Anzahl sollte angesichts des hohen Anteils versiegelter Fläche noch erhöht werden. Der einheitliche Belagsteppich aus Betonplatten wird in seiner Differenzierung in unterschiedliches Plattengrößen als zweckmäßig anerkannt.

Die Integration der Stellplatzflächen an der Otto-Braun-Straße wirkt pragmatisch und nicht überdimensioniert. Das Kreismotiv der Intarsien wirkt beim Brunnen am Rathausplatz und auf der Terrasse am Stadtzimmer überzeugend, im Bereich des Aktionsbands jedoch etwas willkürlich.

Das Regenwasser wird von den befestigten Flächen in Rigolen und Baumrigolen abgeleitet und später für die Bewässerung der Bepflanzung verwendet. Dieser Umgang mit der Ressource erscheint angesichts der Klimakrise und der Unterhaltungskosten schlüssig.

Titelbild 1005 Freianlage 1

1. Preis: Ideenteil Freianlage: Atelier Schmelzer Weber Architekten PartGmbB, Dresden mit Storch. Landschaftsarchitektur, Dresden

Architektur

Atelier Schmelzer Weber Architekten PartGmbB, Dresden 
Paul Schmelzer, Peter Weber
Johannes Hermann, Patrick Wenske, Matthias Ziegler, Jenas Rehwagen, Helena Nienhaus

Freiraumplanung

Storch. Landschaftsarchitektur, Dresden 
Robert Storch
Roya Keyhani

Fachberatende

BfB – Büro für Baukonstruktionen GmbH 
(Fachbereich: Tragwerk)
 
IPROconsult GmbH 
(Fachbereich: TGA)
 

Die Verfassenden setzen den markanten linearen Strukturen der Rathausumgebung eine bewusst organische Formensprache für die Anordnung von Grünflächen und Baumpflanzungen entgegen. So entsteht eine charaktervolle, bandartige mit Bäumen bestandene Grünfläche in welche Wege, kleine Plätze, Spiel- und Sportflächen gut positioniert eingeschrieben sind. Allein die baumbestandenen Grünflächen auf der Südseite des Rathausplatzes sollten zu Gunsten eines etwas größeren offenen Rathausplatzes reduziert werden.

Die gewählte Gestaltung gibt die Möglichkeit, sowohl ruhige Rückzugsorte zu schaffen wie auch zugleich ein Durchqueren des Stadtraums in zügigem oder schlenderndem Gang zu erlauben. Allein der Parkplatz unterbricht den Grünraum sowohl funktional als auch atmosphärisch, eine Flächenreduzierung und wesentlich stärkere Integration in das Motiv des „grünen Bandes“ ist überaus wünschenswert. 

Das grüne Stadtzimmer nimmt die organische Gestaltsprache auf, mit Stauden bepflanzte Grünflächen, integrierte Regenwassermulden und ein starkes Baumdach lassen eine gute Nutzbarkeit bei hoher Aufenthaltsqualität erwarten.

Den Verfassern gelingt mit der Ausbildung eines starken „Bandparks“ ein sehr konstruktiver Beitrag zur Gestaltung von Rathausumfeld und Aktivitätsband. 

Der Beitrag sollte im weiteren Entwicklungsprozess unter Berücksichtigung der obigen Anmerkungen weiterverfolgt und vertieft werden.

Titelbild 1002

1. Preis: Ideenteil Freianlage: wulf architekten, Berlin mit Rehwaldt Landschaftsarchitekten, Dresden

Architektur

wulf architekten, Berlin 
Tobias Wulf, Gabriel Wulf
Ekatrina Limonova, Joana Ferreira Alves, Hoang Huong Giang Do, Tegar Sentosa Simamora

Freiraumplanung

Rehwaldt Landschaftsarchitekten, Dresden 
Till Rehwaldt
Martin Mengs, Carolina Keller

Fachberatende

Mayr I Ludescher I Partner Beratende Ingenieure Part GmbB 
(Fachbereich: Tragwerk)
 
SCHOLZEJAEGER GmbH 
(Fachbereich: TGA)
 

Drei Baumhaine, bestehend aus einer Rasterpflanzung von acht großkronigen Laubbäumen gliedern das Aktivitätsband vom Mollplatz über den Rathausplatz bis zum südlichen Band-Ende. Einige wenige gutplatzierte Baumgruppen und Einzelbäume ergänzen die formal geprägten Haine.

Ein mosaikartiges Raster großer, teilweise farbiger Beton-Rechteckplatten überzieht das ganze Band von Nord nach Süd und bildet einen vielfältig nutzbaren sogenannten „multicodierten“ Stadtboden. So sind auch die notwendig nachzuweisenden Stellplätze auf dieser Fläche verortet, eine Mehrfachnutzung der Stellplätze auch für Sport und Spiel erscheint möglich. Ein parallel zum schnellen Fahrradweg entlang der OBS angeordnetes Wasserband dient der Vorreinigung und Verdunstung des anfallenden Regenwassers und bereichert zugleich atmosphärisch den Stadtraum.

Auch das „Stadtzimmer“ nimmt das Motiv des Plattenbelags, wenn auch in kleineren Formaten, auf. Die Platten sind hier jedoch intarsienartig in Rasen- und wassergebundene Platzflächen eingelegt.

Überstanden wird dieser Gartenraum mit großkronigen, schattenspendenden Laubbäumen und lässt damit einen angenehm ruhigen Freiraum sowohl für das Rathaus als auch für die Wohnbebauung erwarten.

Insgesamt leistet die Arbeit 1002 einen wertvollen Beitrag zur Definition des Rathaus-Umfeldes im Zusammenhang mit dem Aktivitätsband; sie sollte in den weiterführenden Entwicklungsprozessen unbedingt Berücksichtigung finden.

2. Preis

Titelbild 1020

2. Preis: cruu architecture GmbH, Stuttgart mit w+p Landschaften GmbH, Berlin

Architektur

cruu architecture GmbH, Stuttgart 
Markus Mehwald, Dipl.-Ing.
Erick Lozano, Weisheng Fang, Marina Turdova

Freiraumplanung

w+p Landschaften GmbH, Berlin 
Hans-Jörg Wöhrle
Lukas Mettler, Maryam Esmaeilzadeh, Jiarui Zhang

Fachberatende

Werner Sobek Frankfurt GmbH 
(Fachbereich: Tragwerk)
 
Ingenieurgesellschaft Hetzel GmbH & Co KG 
(Fachbereich: TGA)
 

Städtebaulich fügt sich das hier vorgeschlagene Rathaus der Zukunft als aufgelöster Baukörper harmonisch in die Umgebung ein. Es schließt die offene städtebauliche Lücke maßstäblich als mehrfach geteilter und abgestufter Baukörper. Das Ensemble bildet eine selbstverständliche, sichtbare aber nicht unbedingt prägnante städtebauliche Figur. Die Staffelung des Gebäudes entwickelt sich aus dem Kontext der Umgebung und fügt sich zum östlichen Quartier. Die Querscheibe im Norden definiert einen klaren Abschluss zum Mollplatz. Durch verbindende „Glasfugen“ werden die drei Baukörper auf dem Sockelgebäude gut ablesbar. Das Aktivitätsband im Süden des Gebäudes wird durch den Sockelbereich des Rathauses bis zur Mollstraße durchgeführt. Diese Passage wird den bisher vernachlässigten Raum im Norden des Gebäudes, den Mollplatz, deutlich aufwerten.

Das hier vorgeschlagene Rathaus der Zukunft löst die komplexe Aufgabe des Eingangs- und Empfangsbereiches vorbildlich und einladend. Als eines der wenigen Gebäude bietet es gleichzeitig Durchgang von Süd nach Nord, Öffnung und Licht im Westen und Osten sowie einen großzügigen Zugang zu den weiteren öffentlichen Bereichen. Das Gebäude empfängt die Besuchenden und Mitarbeitenden über einen deutlich sichtbaren, großzügigen, rund 9m hohen Südeingang und führt sie in eine hohe, würdige und von oben belichtete Empfangshalle, in der sich neben der Rezeption, Kantine und Café an der verglasten Ostfassade sowie ein Ausstellungsraum befinden.

Über eine seitlich angeordnete großzügige Sitz- und Freitreppe gelangen die Besucher komfortabel in die weiteren öffentlichen Bereiche im 1.OG (Bibliothek). Der BVV-Saal im 2. OG an der Nord-Ost-Ecke des Gebäudes ist leider nur über ein Nebentreppenhaus zugänglich. Jede der drei Bürobauten verfügt über einen eigenen Mitarbeitereingang. 

Der höhere der Baukörper ist etwas schmal geraten. Während dies bei Großraumbüros wohl zu keinen Einschränkungen führt, entstehen aber bei konventionellen Bürotypologien Räume von nur drei Meter Tiefe.

Die Fassade eignet sich grundsätzlich für natürliche Belüftung. Sie ist im unteren Bereich fast raumhoch verglast und in den Bürobereichen mit Brüstungen versehen. Die Gleichartigkeit der Fassaden strahlt Ruhe aus, wird aber in der dargestellten Transparenz in Frage gestellt. Die Betriebskosten infolge der großen Fensterfläche und des zu erwartenden, hohen Energieeintrages sind zu überprüfen. Die Sinnhaftigkeit der Pflanztröge und PV-Paneele in der Fassade muss weiter diskutiert werden. 

Die gewünschte BGF wird mit 29.681m2 leicht überschritten. Die Kosten liegen im Mittelfeld.

Das Rathaus besticht mit einem werkstoffgerechten Aufbau der Struktur. Auf einem robusten und dauerhaften Sockelbauwerk und um massive Kerne herum sind drei leichte Baukörper für die internen Bereiche und Büroräume angeordnet. Die konstruktive Lösung für diese Baukörper geht gut durchdacht über reinen Holzbau hinaus. Sie ist als eine sinnvolle Kombination aus Holzhybridbau, Massivbau und Recyclingaluminium entwickelt. „Cradle-to-Cradle“-Überlegungen sind hier wirklich ernstgenommen. Die auf den Plänen gezeigten konstruktiven Details zeigen ersten Überlegungen zur Fügung der Holzbaukomponenten. Diese müssen weiterentwickelt werden.

Alle Fragen zum Brandschutz (Rettungsweg, Sicherheitstreppen, Brandmelde- und Alarmierungsanlage und Sprinklerung) sind ausführlich und zufriedenstellend behandelt.

Die Jury beurteilt diese Arbeit durchweg positiv.

3. Preis

Titelbild 1001 1

3. Preis: TILLO/KAA – Architecture and Urbanism Schumacher Görg Architekten PartmbB, Berlin mit fabulism, Berlin

Architektur

TILLO/KAA – Architecture and Urbanism Schumacher Görg Architekten PartmbB, Berlin 
Levin Schumacher, Oskar Alberto Görg
Lorenza Biagini, Thilo Schlinker

Freiraumplanung

fabulism, Berlin 
Giulia Pozzi
Mirko Andolina

Fachberatende

Werner Sobek AG 
(Fachbereich: Tragwerk)
 
WINTER Gebäudetechnik Eng. & Services Berlin GmbH 
(Fachbereich: TGA)
 

Eine starke, einfache städtebauliche Präsenz wird durch das Gefüge aus Hochhaus, Foyer und östlich parallel verlaufendem Flachbau erreicht. Das städtebauliche Ensemble besteht aus einer einfachen, wohlproportionierten und markanten Hochhausscheibe, die in einen ausgewogenen Dialog mit den anderen Hochpunkten der näheren Umgebung tritt. Nach Westen bildet die Hochhausscheibe eine starke Kante zum Straßenraum, wenn auch zu Lasten der Fußgänger zwischen Gebäude und Straße. Nach Osten bildet der langgestreckte zweigeschossige Flachbau ein angemessenes und untergeordnetes Gegenüber zur Nachbarbebauung und zum Stadtzimmer. Die identitätsstiftende Fuge zwischen beiden Gebäuden bildet ein einladendes und offenes Entree zu einer schönen und belebten Innenstraße. Das Rathaus wird von beiden Stadtplätzen (Nord und Süd) erschlossen, ohne die Übersichtlichkeit des Eingangs zu verlieren.

Die wichtigsten öffentlichen Funktionen sind sinnvoll und selbsterklärend in den ersten 2 bis 3 Geschossen untergebracht. Eine Ausnahme bildet das Standesamt im 16 OG. Hier werden die Gebäudegeometrie und Ausrichtung sehr positiv genutzt, um einen besonderen Ort (mit Dachgarten) zu ermöglichen. Die Bibliothek ist sehr gut im Erdgeschoss platziert und orientiert sich direkt zum Eingang und zum Rathausplatz. In der Mitte der Passage wird die Erschließungsrichtung spannungsvoll gewechselt. Eine repräsentative und dennoch angemessene Treppe führt das Publikum direkt in die Ausstellungsräume bzw. ein Geschoss höher in den BVV-Saal. Der gut proportionierte und sehr gut nutzbare Saal schwebt über dem Eingangsbereich und öffnet sich zum Rathausplatz bzw. zur Stadt.

Ab dem 3. bzw. 4. Obergeschoss sind die neuen Bürowelten geplant. Sie können von der Passage oder direkt von außen erschlossen werden. Die geplante starke Trennung zwischen öffentlichen und halböffentlichen Bereichen verspricht eine gute Organisation der unterschiedlichen Nutzerinnen und Nutzer. Die Auseinandersetzung mit zukünftigen Bürowelten ist deutlich erkennbar, dennoch bleibt die Entwurfsstrategie mit drei versetzten Geschossen innerhalb einer „Halle“ teilweise fragwürdig. Themen wie Akustik, individuelle Bedürfnisse und Brandschutz erscheinen problematisch. Die Hallen haben

beidseitig ca. 1,50 – 3,0 m tiefe Klimapufferzonen. Diese bieten ein zusätzliches Angebot in der Nutzung und im nachhaltigen Betrieb, allerdings werden die Grundrisse dadurch deutlich tiefer und dunkler.

Die Wahl des Tragwerks in Hauptgebäude folgt dem Hallenprinzip und bietet mit einer Stahlkonstruktion eine voraussichtlich sehr flexible und gut rückbaubare Lösung. Die Verwendung von CO₂ freiem Stahl ist derzeit nicht möglich und von der weiteren Entwicklung abhängig. Insofern ist das Konzept grundsätzlich zu hinterfragen. Der Flachbau ist als reiner Holzbau angemessen und nachhaltig gewählt. Der Baukörper wird über eine Doppelhelixtreppe mit geschlossenen und offenen Läufen erschlossen. Der Erschließungsturm kann in der dargestellten Einfachheit nicht überzeugen. Das Brandschutzkonzept ist bedingt gelöst.

Der architektonische Gesamtausdruck ist von Einfachheit geprägt, im Detail verbirgt sich jedoch eine komplizierte, hochverglaste Fassadenstruktur, die kontrovers diskutiert wird. Die Erstellungskosten für die Fassade werden als hoch eingestuft, gleichzeitig wird das Energiekonzept als kritisch bewertet.

Trotz der klaren städtebaulichen Präsenz und der gut gestalteten öffentlichen Räume fehlt es in der Gesamterscheinung an der Erkennbarkeit des Rathauses als Rathaus.

Anerkennung

Titelbild 1010 1

Anerkennung: C.F. Møller Deutschland GmbH, Berlin mit C.F. Møller Danmark A/S

Architektur

C.F. Møller Deutschland GmbH, Berlin 
Thomas Margaretha
Mads Mandrup, Caspar Kollmeyer, Jakob Hillert, Janis Wieland

Freiraumplanung

C.F. Møller Danmark A/S 
Julian Weyer
Kirn Holst Jensen, Sandra Trochimowic

Fachberatende

Schöne Neue Welt Ingenieure PartG mbB 
(Fachbereich: Tragwerk)
 
M&P Braunschweig GmbH 
(Fachbereich: TGA)
 

Das neue Rathaus wurde mit der abgeschrägten Fassade als eigenständiger Baukörper entworfen. Die Grundstruktur soll als ein flexibles, dreidimensionales Raster verstanden werden. Durch diese Abstraktion erscheint das Gebäude offen und einladend. Der Baukörper nimmt keine Raumbezüge im Stadtraum auf. Das monolithische Erscheinungsbild des Gebäudes und die fehlende Wiedererkennbarkeit (als Rathaus) wurden insgesamt kontrovers von der Jury diskutiert.

Die Eingangssituation mit dem durchgesteckten Foyer als Passage wirkt sehr einladend. Auch die grundsätzliche Organisation der öffentlich zugänglichen Nutzungen ist gut nachvollziehbar. Die Lage des BVV-Saales im Erdgeschoss wurde vom Bezirk positiv gewertet. Von Teilen der Fachjury wurde die Lage zwischen der Passage als Foyer und dem Bürgersteig kritisch gesehen. Die weiteren Funktionsbereiche im Erdgeschoss, wie das Frontoffice und Backoffice, ebenso die Kantine ohne Küche benötigen jedoch eine Überarbeitung zur Sicherstellung deren Funktionalität. Sehr einladend wirken die Zeremonienräume für die Hochzeiten im Dachgeschoss, die mit einem eigenen Dachgarten und Blick über Berlin werben.

Die Idee mit einer offenen Treppenanlage alle internen Funktionsbereiche zusammen zu binden, wird als kommunikatives Mittel positiv gesehen, anderseits erfordert dies erhebliche technische Kompensationsmaßnahmen für den Brandschutz. Durch den abgeschrägten Baukörper entstehen sehr tiefe Grundrisse. Das vierte Obergeschoss wurde als Archiv geplant. Hier stellt sich einfach die Frage der Sinnhaftigkeit ein so wertvolles belichtetes Stockwerk als Archiv zu nutzen. Auch die darüber liegenden Stockwerke für die Verwaltung haben extrem tiefe Grundrisse, die durch die eingeschnittenen Lufträume vermutlich nicht ausreichend mit Tageslicht und Zugang zur natürlichen Lüftung versorgt werden können. Nur die oberen zwei von fünfzehn Stockwerken sind wirtschaftlich organisierbare Bürogeschosse. Positiv wurden die Dachterrassen in den oberen Stockwerken für die Verwaltung gesehen. Insgesamt ist zu erwarten, dass der technische Aufwand für künstliche Belüftung,

Belichtung und die brandschutztechnischen Maßnahmen in der Erstellung und im Unterhalt sehr hoch sein wird.

Die Fassade wirkt im Entwurf nach außen transparent und offen. In der Umsetzung werden die Glasflächen jedoch deutlich dunkler sein. Auch in der Ausformulierung der Fassade hinsichtlich deren Funktionalität als saisonal variierende Schnittstelle zwischen Innen- und Außenraum wurde kritisch diskutiert. Der große Glasflächenanteil ohne ersichtliche Öffnungsflügel wurde aus bauphysikalischen und ökologischen Gründen bemängelt. Der angedachte außenliegende Sonnenschutz, als schienengeführter Lamellenraffstore, wurde in Bezug auf Windstabilität kritisch gesehen. Insofern wird das angedachte offene Erscheinungsbild in der Umsetzung deutlich geschlossener wirken.

Der Arbeit fehlen mehr als 12% der Nutzfläche, obwohl sie unter den 20 Arbeiten den höchsten Bruttorauminhalt hat. In dieser Form ist der Entwurf nicht innerhalb des Budgets realisierbar.

Insgesamt ist die Arbeit ein sehr interessantes Konzept, das aber im Detail und in der Wirtschaftlichkeit deutliche Mängel aufweist.

Titelbild 1012 1

Anerkennung: ZRS Architekten, Berlin mit SCHÖNHERR Landschaftsarchitekten, Berlin

Architektur

ZRS Architekten, Berlin 
Jan Schreiber
Bruno Röver, Michel Cordes, Max Pfaffelhuber

Freiraumplanung

SCHÖNHERR Landschaftsarchitekten, Berlin 
Mareike Schönherr
Natalia Gushchina, Fransesco Montesarchio, Marie Kucklick, Fabienne Lange, Markus Schönherr

Fachberatende

ZRS Ingenieure GmbH 
(Fachbereich: Tragwerk)
 
IB Trieb GmbH & Co. KG 
(Fachbereich: TGA)
 

Die vertikale Stapelung der Kuben, bildet städtebaulich einen gegliederten Körper im Stadtraum, welcher sich markant in den Standort einfügt und den Rathausplatz nach Norden mit einem klaren Endpunkt abschließt. Im Norden und Osten reagiert der Baukörper durch Staffelung der Volumen sowie durch Einschnitte zwischen den einzelnen Kuben, angemessen auf die angrenzende Wohnbebauung. Er bleibt jedoch in der Geste klarer Kanten nach Süden und Westen sowie der solitären Einbindung in den Raum eindeutig. Die horizontalen Fugen vermitteln die Körperhaftigkeit der unterschiedlichen Volumina und minimieren den massiven Eindruck der Baumasse. Positiv her- vorgehoben wird, dass sich durch Grundkonfiguration der Stapelung, die Vielfältigkeit der Nutzung im Rathaus abzeichnet.

Das Leitmotiv des Beitrags als offenes Haus für die Bürger:innen der Stadt wird eindrücklich und nachvollziehbar über die artikulierten Eingänge sowohl im Süden als auch im Norden umgesetzt. Die klare Formulierung der beiden 3-geschossigen Eingangspforten im Süden und Norden bilden eine durchgängige Fläche im Erdgeschoss aus, laden niederschwellig zur Durchwegung in das Gebäude ein und lassen Stadtraum und Eintritt in das Rathaus verschmelzen.

Zwischen den beiden gegenüberliegenden Eingängen spannt sich eine 3-geschossige Halle auf. Durch die Ausformulierung dieses großzügigen Raumes als öffentliche Fläche im Rathaus wird die Geste des Rathauses als Ort für alle Bürger*innen unterstrichen. Die durchlaufende einläufige Treppe im Inneren der Halle verbindet die 3 Ebenen und lädt zur Durchwegung ein. Angegliedert an diese befinden sich auch die markanten öffentlichen Funktionen. Als Endpunkt des Weges erreichen die Besuchenden den BVV-Saal, der prominent in den mehrgeschossigen Foyer-Raum hineinragt.

Unbeantwortet bleiben Fragen der räumlichen Ausformulierung der Flächen, sowie funktionaler Aspekte, wie die Durchwegung ab dem dritten Obergeschoss, die Luftdurchströmung des Baukörpers und die Temperaturentwicklung in der Halle, sowie die Praktikabilität der großen Türen als Geste des offenen Hauses. In der Diskussion dieser Punkte wird v.a. die

Eindeutigkeit der angestrebten Durchwegung des Gebäudes, deren Wegführung und Erkennbarkeit für Besuchende als vertikale Erschließung, vermisst. Ebenso kritisch diskutiert wird die im Osten durch die Abstufung der Kubatur hervorgerufene Verlagerung der Treppen und Erschließungskerne an die Fassaden. Damit gehen potenzielle Nutzflächen mit natürlicher Belichtung und Belüftung verloren, während sich in anderen Bereichen im Gebäude innenliegende Aufenthaltszonen ohne direkten Außenbezug ergeben. Im Erdgeschoss wird durch die Zonierung der öffentlichen Bereiche nach Westen und der dienenden Funktionen nach Osten eine Zweiteilung geschaffen, die sich zum Wohnquartier abgrenzt und einen klaren Funktionsrücken zur Berolina-Straße ausbildet. Ebenso fraglich ist die Aufenthaltsqualität der Dachfläche als Endpunkt der vertikalen Durchwegung, wobei das Verhältnis von Geste und Effekt kritisch diskutiert wurde.

Die Holzkonstruktion in Kombination mit angemessenem Umgang transparenter und geschlossener Fensterflächen und der Integration eines Sonnenschutzsystems reduziert starke Lastschwankungen v.a. im Sommer und bietet die Basis eines einfachen haustechnischen Konditionierungskonzeptes. Die vorgeschlagene Lochfassade in unterschiedlicher formaler Ausbildung der einzelnen vertikal gestapelten Baukörper wird hinterfragt, da diese die Körperhaftigkeit der einzelnen Baukörper konterkariert.

Insgesamt würdigt die Jury die Öffnung des Hauses im Erdgeschoss zum Rathausplatz und den starken städtebaulichen Ausdruck des Körpers. Allerdings erscheint die Vielfalt der verwendeten Mittel sehr additiv und in der Gesamterscheinung nicht stimmig.

Engere Wahl

Titelbild 1007

Engere Wahl: Behles & Jochimsen Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin mit ANNABAU Architektur und Landschaft, Berlin

Architektur

Behles & Jochimsen Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin 
Simon Stahnke, Prof. Jasper Jochimsen
Laura Herndl

Freiraumplanung

ANNABAU Architektur und Landschaft, Berlin 
Sofia Petersson

Fachberatende

PIRMIN JUNG Deutschland GmbH 
(Fachbereich: Tragwerk)
 
HDH Berlin GmbH 
(Fachbereich: TGA)
 

Die abgestaffelte Volumetrie der Arbeit steht sehr selbstverständlich im Stadtraum. Die Fassade ist weder abstrakt, noch sind die wenigen angedeuteten Gliederungselemente wirklich ausdrucksstark. Hier vermisst die Jury einen klaren architektonischen Ausdruck als Rathaus der Zukunft. Darüber hinaus ist die Jury einhelliger Meinung, dass die beiden Eingänge im Erdgeschoss im Westen und Süden zum Rathausplatz nicht ausreichend artikuliert sind. Ein Schriftzug über dem Eingang „Rathaus Mitte“ reicht als einladende Geste gegenüber den Bürgern nicht aus.

Durch die Abstaffelung des Baukörpers entstehen sehr gut organisierbare und belichtete Nutzflächen im Inneren. Ebenso positiv werden die dadurch generierten Dachterrassen gewertet. Nach dem niedrigen Windfang tritt man in eine Eingangshalle ein. Dieses Foyer wirkt sehr einladend. Von hier aus sind alle öffentlich zugänglichen Nutzungen gut erreichbar. Der BVV-Saal ist direkt von der Halle aus über eine Treppe im ersten Obergeschoss erreichbar. Seine Lage nach Norden zum Mollplatz und die großzügige Raumhöhe sind sehr schön und entsprechen der Bedeutung dieses Saals. Die Lage der Bibliothek im Erdgeschoss zum Mollplatz ist ebenso überzeugend. Die Kantine oder Cafeteria liegt räumlich gut zum Rathausplatz verortet, müsste aber funktional deutlich überarbeitet werden.

Die oberen Stockwerke der Verwaltung bieten durch die Abstaffelung unterschiedlich zuschneidbare Büroflächen an. Diese können sehr flexibel eingeteilt und genutzt werden. Sie sind alle insgesamt gut belichtet und können auch natürlich belüftet werden. Die fünf Dachterrassen sind ein großzügiges Angebot für die Verwaltung. Das Standesamt im Dachgeschoss über den Dächern Berlins ist ein schönes Angebot.

Kritisch wird die Nutzung des obersten Geschosses als Technikgeschoss gesehen. Das Tragwerk als sichtbare Holzstruktur wird sehr positiv gesehen. Ob dies in der Umsetzung realistisch in allen Stockwerken ohne weitere aufwendige Kompensationsmaßnahme umsetzbar ist, wird angezweifelt. Die manuell öffenbaren Fenster zur Belüftung werden sehr begrüßt. Ebenso sinnvoll sind die Prallscheiben an den schallzugewandten Seiten. Der mechanische Sonnenschutz müsste bei diesem Fassadenraster gut funktionieren.

Insgesamt spiegelt der Entwurf ein sehr gut organisiertes Haus wider. Sehr kritisch wurde jedoch das Erscheinungsbild des Hauses gesehen. Im Gegensatz zur ansprechenden Rathaushalle im Erdgeschoss, fehlt außen der architektonische Ausdruck, um das Haus klar als Rathaus erkennen zu können.

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