HDD | Haus der Demokratie
Ausstellung der Wettbewerbsarbeiten
Aus 128 eingereichten Arbeiten hat das Preisgericht 10 Arbeiten gleichwertig prämiert. Die Arbeiten sind bis 30. September 2025 in der Paulskirche zu sehen. Es gibt Führungen und Workshops, in denen sich die Bürger:innen zu unterschiedlichen Aspekten des Ortes äußern können. Es gibt auch eine Online-Beteiligung über deinhausderdemokratie.de. Wichtig ist die Einbeziehung unterrepräsentierter, benachteiligter Gruppen.
Die Ergebnisse der Bürger:innenbeteiligung werden dokumentiert und veröffentlicht und fließen als Abwägungsvorschlag in die politische Entscheidung zum anschließenden Realisierungswettbewerbs ein.
Weitere Informationen zum Projekt, der laufenden Bürger:innenbeteiligung und die digitale Ausstellung der 10 prämierten Arbeiten finden Sie unter
Alle weiteren Wettbewerbsbeiträge können Sie in der digitalen Ausstellung weiter unten auf dieser Seite entdecken.
Anlass und Ziel
In der Paulskirche versammelte sich 1848 das erste deutsche Parlament: die Nationalversammlung. Nach ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde sie 1948 als „Haus aller Deutschen“ wiederaufgebaut und gilt heute als ein Symbol der Demokratie.
Um die Paulskirche angemessen ins Licht zu rücken und einen neuen Ort zur Reflexion über Demokratie in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu schaffen, soll sie nun saniert und um das Haus der Demokratie ergänzt werden.
Nach dem Beschluss der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung 2019 hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Zukunft der Paulskirche auch zu einer bundesweiten Aufgabe erklärt und wünscht sich einen „authentischen Ort, der an Revolution, Parlamentarismus und Grundrechte nicht nur museal erinnert, sondern zu einem Erlebnisort wird“. Gemeinsam haben die Stadt Frankfurt, das Land Hessen und die Bundesrepublik Deutschland 2021 eine Expertenkommission Paulskirche einberufen, die 2023 ihre Empfehlungen vorgestellt hatte. Im geplanten Haus der Demokratie sollen Ausstellungsflächen für eine historische Präsentation, ein Labor und Workshop-Räume für demokratische Praxis eingerichtet werden. Der neue Ort soll Raum für grundsätzliche politische Themen schaffen: Wahlen und Wahlrecht, Grundrechte, das Verhältnis von Demokratie und Nationalstaat, Europäisierung und Globalisierung, Populismus, Politikverdrossenheit, die Kritik an und das Ressentiment gegen Parlamentarismus und politische Parteien sowie generell die Frage, was demokratische Gesellschaften auszeichnet, zusammenhält oder gefährdet.
Im Sommer 2023 wurde durch Oberbürgermeister Mike Josef die Stabsstelle Entwicklung Paulskirche / Haus der Demokratie verfügt, die den Weg bis zum Baubeginn ebnen wird. Mit dem Stadtverordnetenbeschluss M30 / § 4717 „Planung Haus der Demokratie“ vom 02.05.2024 wurde zudem mit breiter parlamentarischer Mehrheit der Weg für die weitere Planung des Hauses der Demokratie frei gemacht. Die Empfehlung der Expertenkommission schlug „einen Entwurf im Sinne einer ‚Signature Architecture‘“ mit Standort auf dem Platanenhain des Paulsplatzes vor. Diese Idee einer ikonischen Architektur, hat in der Stadtgesellschaft bisher wenig Anklang gefunden. Der nun entschiedene offene Ideenwettbewerb hat dieses Spannungsfeld zwischen solitärem Neubau auf dem Paulsplatz einerseits und Umnutzung von Bestandsgebäuden im Kontext des umgebenden öffentlichen Raums andererseits neu aufgespannt und den Weg für eine breite Diskussion und Bürger:innenbeteiligung bereitet. Die Ergebnisse des Ideenwettbewerbs klären zunächst die städtebaulichen Zusammenhänge und den Charakter des Ortes und dienen als Grundlagen für den demokratischen Prozess hin zum Haus der Demokratie.
Die übergeordnete Aufgabe bestand in der Entwicklung eines räumlichen Gesamtkonzeptes in enger Beziehung zur Paulskirche. Dabei sollte das gesamte Areal rund um die Paulskirche mitgedacht werden und die Aufenthaltsqualität des Paulsplatzes verbessert werden. Neben einem Neubau war es auch denkbar, das Bestandsgebäude der Kämmerei (Teil des Rathauses) umzunutzen und zu modernisieren. Schlussendlich sollte ein Ensemble entstehen, dass ein zukunftsweisendes Bild von Demokratie vermitteln können sollte. Mit den vorliegenden Ergebnissen des Ideenwettbewerbs setzt nun der kooperative und partizipative Prozess ein. Ziel war es, das Projekt von Anfang an öffentlich zu diskutieren und gemeinsam mit Menschen unterschiedlichster Milieus zu gestalten.
Auch aus diesem Grund wurde das Haus der Demokratie in das Bundesprogramm Nationale Projekte des Städtebaus aufgenommen. In diesem werden national und international wahrnehmbare, größere städtebauliche Projekte gefördert, von denen deutliche Impulse für die Stadt, die Region und die Stadtentwicklungspolitik ausgehen. Sie zeichnen sich durch einen besonderen Qualitätsanspruch („Premiumqualität“) hinsichtlich des städtebaulichen Ansatzes, der baukulturellen Aspekte und Beteiligungsprozesse aus. Sie verfolgen die baupolitischen Ziele des Bundes und weisen Innovationspotenzial auf.
Die Herausforderungen bestehen darin, das Bewusstsein für die Geschichte und die Bedeutung der Paulskirche zu fördern, das unter Denkmalschutz stehende Nachkriegsgebäude der Paulskirche behutsam zu sanieren und es für zukünftige Generationen offen und einladend zu gestalten. Das Haus der Demokratie wird ergänzend den Schwerpunkt auf aktuelle Themen setzen und als spielerischer und streitbarer Ort demokratischer Praxis fungieren. Durch ein integriertes Gesamtkonzept verbunden, gestalten Paulskirche und Haus der Demokratie einen neuen Erinnerungs-, Gedenk- und Lernort mit Wirkung weit über Frankfurt hinaus.
Verfahren
Der Planungswettbewerb wurde als einphasiger offener, interdisziplinärer Ideenwettbewerb gemäß § 3 der Richtlinie für Planungswettbewerbe (RPW 2013) und für Teams aus den Fachdisziplinen Architektur und/oder Stadtplanung und/oder Landschaftsarchitektur ausgelobt. Das Planungsteam musste mind. aus zwei der vorgenannten Fachdisziplinen bestehen. Ergänzend wurde die Mitarbeit durch die Fachdisziplinen, wie z.B. Innenarchitektur, Szenografie, Kuration oder Kunst empfohlen.
Ein unabhängiges Preisgericht wählte unter allen Wettbewerbsbeiträgen zehn Arbeiten aus, die mit gleichwertigen Preisen prämiert wurden.
Im Verfahren wurden die Wettbewerbsbeiträge anonym – also ohne Kenntnis der Verfasser:innen – beurteilt.
Das Wettbewerbsverfahren diente zur Findung konzeptioneller Lösungen und zur Klärung der Grundlagen der Planungsaufgabe für einen nachgelagerten Realisierungswettbewerb zum Projekt Haus der Demokratie.

Preisgericht
Fachpreisrichter*innen
Sachpreisrichter*innen
Ständig anwesende stellvertretende Fachpreisrichter*innen
Stellvertretende Sachpreisrichter*innen
Downloads
Protokolle
Projekt-Ergebnisse
↑1. Preis
1. Preis: Atelier Lorentzen Langkilde Aps | Kopenhagen, DK
Die Arbeit „Ein Leuchtturm der Demokratie“ nutzt das Potential des Bestandsgebäudes der Stadtkämmerei mit angemessenem Aufwand und geeignetem Flächenangebot in einer überzeugenden und selbstverständlichen Art, um das Haus der Demokratie als Zusatzangebot zur Paulskirche bereitzustellen. Nach außen sichtbar wird die Konversion der Stadtkämmerei durch einen neuen Dachaufbau in Form eines neuen Steildaches mit einer skulptural aufgewölbten Traufe, in Form von Fledermausgauben in alle Himmelsrichtungen, die historisch gelungen hergeleitet sind. Die gewünschte Sichtbarkeit und Präsenz der neuen Nutzung im bestehenden Gebäude werden jedoch im Preisgericht kritisch diskutiert. Zu der gelungenen Öffnung über den Dächern der Innenstadt wird auch die Zugänglichkeit und Durchwegung für die Besucher:innen von Ost und West im Erdgeschoss ermöglicht. Nach dem Eintritt ins Gebäude öffnet sich der Blick nach oben in den gut belichteten Innenhof, der als Verteiler dient. Auch der Anschluss und der Übergang zur Paulskirche werden über ein geöffnetes Untergeschoss im Gebäude und einen natürlich belichteten Tunnel ermöglicht. Bereits im Ankunftsatrium bekommt man den Einblick in das weiterführende Untergeschoss.
Die öffentliche Freifläche des Paulsplatzes bleibt unbebaut und behält seine Qualität als öffentlicher, mit Platanen bestandener Platz. Der öffentliche Raum im Norden der Stadtkämmerei wird mit geringen, aber sinnvollen Maßnahmen gestärkt und belebt. Hier werden eine Grünfläche mit weiteren Bäumen und ein Restaurant angeboten, was die freiräumliche Verflechtung zur Berliner Straße verbessert.
Im Inneren des Gebäudes sind die geforderten Funktionen klar strukturiert und verteilt. Im Erdgeschoss sind alle öffentlichen Bereiche wie Bibliothek, Arbeits- und Workshop Räume, Lounge und Restaurant untergebracht. Im Dachgeschoss sind großzügig und mit Ausblick die Ausstellungs- und Veranstaltungsräume verortet, die über eine im glasüberdeckten Innenhof liegende Publikumstreppe und Aufzüge erreicht werden können.
In den Obergeschossen werden, für die Verwaltung weiter nutzbare Büroräume, in offeneren Strukturen an der Fassade aufgereiht, wobei zu den beiden Innenhöfen, die öffentlicheren Funktionen des Hauses der Demokratie sinnvoll angeordnet und erschlossen werden. Galerien und Aufenthaltsbalkone beleben die Innenhöfe und lassen eine übergreifende Kommunikation im Haus entstehen. Alle Bereiche lassen sich gut und barrierefrei erreichen.
Die Idee, die Stadtkämmerei als Haus der Demokratie zu nutzen, folgt als Aktivierung und Nutzung eines Bestandsgebäudes, zum einen der Forderung ‚Umbau statt Neubau‘ und stärkt damit eine ressourcenschonende und treibhausgasreduzierten Bauweise. Zum anderen verspricht dieser Lösungsansatz die Realisierbarkeit und Genehmigungsfähigkeit.
Die Hinweise des Denkmalschutzes sind nachvollziehbar und erfüllbar. Es wird darauf hingewiesen, dass sich die Neuinterpretation des Daches in das Rathausensemble einfügt und die Höhenentwicklung kritisch zu prüfen ist. Die Grundrisseingriffe erscheinen denkmalverträglich. Bei dem erdgeschossigen Annexbau an der Nordfassade besteht noch Abstimmungsbedarf.
So stellt die Projektidee insgesamt einen wertvollen nachhaltigen, zeitgemäßen und zukunftsfähigen Beitrag zum Ideenwettbewerb ‚Haus der Demokratie‘ dar.
1. Preis: kister scheithauer gross architekten und stadtplaner GmbH | Köln, DE
Die Idee dieses Entwurfs ist ebenso schlicht wie kraftvoll: Das Haus der Demokratie muss nicht neu gebaut werden. Es existiert bereits – in den Mauern der alten Stadtkämmerei. Was es braucht, ist kein Neubeginn, sondern eine Transformation.
In schematischen Darstellungen zeigt der Entwurf, wie das bestehende Verwaltungsgebäude mit seiner konventionellen Bürostruktur zu einem Ort gelebter Demokratie werden könnte. Dabei wird klar: Die Vision verlangt eine tiefgreifende Entkernung – nicht nur baulich, sondern auch symbolisch. Erst wenn die starren Wände weichen, kann das Echo der Demokratie Raum greifen. Das Herzstück des Vorschlags ist die zentrale Agora: ein lichtdurchflutetes Atrium, das sich über die gesamte Höhe des Gebäudes erstreckt. Es ist überdacht und doch offen, ein Innenraum mit dem Charakter eines städtischen Platzes – eine architektonische Geste, die den Dialog zwischen dem Inneren und dem Paulsplatz sucht. Hier entsteht ein „Shakehands“ in Form einer freundlichen Berührung zwischen Stadt und Bauwerk, zwischen gestern und morgen.
Die Verbindung zur Paulskirche ist von bestechender Einfachheit: Ein Untergeschoss, das bereits im Atrium anklingt, bindet beide Orte zusammen. Dieser Raum, durchflutet vom Licht des Atriums, beherbergt Ausstellungsflächen und integriert die Paulskirche ganz selbstverständlich in die neuen funktionalen Abläufe. Es ist ein leiser, aber starker architektonischer Gestus. Auch die Freiräume folgen dieser Erzählung. Die bestehenden Bäume auf dem Paulsplatz bleiben erhalten, was Kontinuität und Respekt gegenüber dem Ort ausdrückt. Der in den Plänen benannte Grünraum nördlich der Kämmerei ist zwar nicht dargestellt, doch die Idee, die Bibliothek über diesen Raum zu erschließen, könnte diesen bislang isolierten Bereich aus seiner Hinterhof-Existenz befreien und ihm eine neue Bedeutung schenken.
Das Raumprogramm wird weitgehend erfüllt. Es ist funktional durchdacht und architektonisch ansprechend. Zusätzliche Reserveflächen lassen sich über einen separaten Zugang erschließen, auch wenn hier noch konkrete Aussagen fehlen. Die Realisierbarkeit scheint gegeben. Die Aspekte der Inklusion und Barrierefreiheit, beides elementare Bestandteile einer demokratischen Architektur, wären zu vertiefen. Die Treppenanlage in der Agora wirkt in diesem Bezug einschränkend.
Die Arbeit beweist eindrucksvoll, dass die Stadtkämmerei das Potenzial hat, zu einem echten Haus der Demokratie zu werden – wenn man bereit ist, sie im Innersten zu öffnen und zu verwandeln. Dieser Aspekt wird im Preisgericht kontrovers diskutiert. Einerseits wird die massive Entkernung unter Entfall des Mittelriegels der Stadtkämmerei hinterfragt. Aus Sicht der Denkmalpflege werden die Maßnahmen als nicht denkmalverträglich angesehen. Der geplante Dachgarten ist nicht prüfbar, so auch die vorgeschlagenen Grundrissmodifikationen.
Andererseits wird eine Vision gezeichnet, die kraftvoll ist: Es entsteht ein Ort, der Offenheit lebt, Debatte ermöglicht und Zugehörigkeit schafft. Kein symbolischer Neubau, sondern eine lebendige Transformation des Bestehenden mit einem mutigen Blick nach vorn. Die Anbindung an die Paulskirche geschieht mit Zurückhaltung und Klarheit – nicht als architektonischer Zugriff, sondern als gestalterischer Schulterschluss. So könnte mitten in der Stadt ein Ort entstehen, der den demokratischen Gedanken nicht nur beherbergt, sondern auch ausstrahlt.
1. Preis: Lennart Beckebanze | Berlin, DE mit Leila Ravandi | Berlin, DE
Der Entwurf überzeugt durch ein stimmiges Gesamtkonzept, das den Paulsplatz als historischen Stadtraum respektvoll behandelt und gleichzeitig zukunftsorientiert weiterdenkt.
Die Umnutzung der Stadtkämmerei zum „Haus der Demokratie“ gelingt überzeugend: Die gezielte Öffnung zur Paulskirche hin – durch das Entfernen von Decken und Wänden bis in das zweite Obergeschoss – schafft einen großzügigen und einladenden Eingangsbereich, der symbolisch und funktional für Transparenz und Teilhabe steht. Die neu interpretierte Erdgeschosszone besitzt eine starke Eigenständigkeit. Sie fungiert als multifunktionale Halle, die Innen- und Außenraum fließend miteinander verbindet und so ein offenes Forum für demokratische Begegnung und Diskurs schafft.
Die neue Adressbildung gelingt über die klare Orientierung zum Paulsplatz und eine starke stadträumliche Geste. Die Öffnung der Stadtkämmerei lässt einen identitätsstiftenden Ort entstehen, der dem Thema Demokratie auf architektonischer Ebene Ausdruck verleiht.
Auch der Freiraum wird mit großer Sensibilität weiterentwickelt. Der Entwurf führt die Gestaltung des Paulsplatzes mit der Stadtkämmerei und angrenzenden Bereichen schlüssig zusammen. Der östliche Teil des Platzes wird als gefasster Raum mit Retentionsflächen und diagonaler Fußwegeverbindung neu interpretiert. Die Bestandsbäume bleiben weitgehend erhalten und werden auf der Nordseite der Stadtkämmerei ergänzt. Daraus entsteht eine „grüne Kammer“ – ein kontemplativer Rückzugsort mit hoher Aufenthaltsqualität, der den Platz deutlich aufwertet.
Der bewusste Verzicht auf einen Neubau zugunsten der Transformation des Bestands stellt eine ressourcenschonende und tragfähige Lösung dar. Auch die flexible Nutzung des Innenraums mit differenzierten Ausbau- und Klimastandards spricht für eine langfristige Realisierbarkeit des Konzepts.
Die Eingriffe in die Stadtkämmerei – insbesondere die Teilentkernung über mehrere Geschosse sowie die markante Öffnung der Fassaden – werden seitens der Denkmalpflege kritisch beurteilt. Aus ihrer Sicht seien diese Maßnahmen nicht denkmalverträglich, und auch die Notwendigkeit dieser Eingriffe zur Realisierung eines Hauses der Demokratie werde infrage gestellt. Die gestalterische Unregelmäßigkeit der Fassadenelemente wird ebenfalls kritisch angemerkt.
Aus architektonischer und städtebaulicher Sicht sind es jedoch gerade diese Eingriffe, die den Entwurf prägen: Sie ermöglichen Offenheit, Zugänglichkeit und räumliche Klarheit.
Insgesamt bietet der Beitrag eine konsequent nachhaltige, klimagerechte und sozial orientierte Antwort auf die gestellte Aufgabe. Die Verbindung aus architektonischer Transformation, nutzungsoffener Raumgestaltung und behutsamer Freiraumentwicklung ist zukunftsfähig und überzeugt durch Haltung und Klarheit.
1. Preis: MARCUS WAGNER ARCHITEKTUR | Dortmund, DE mit SOWATORINI Landschaft PartmbB | Berlin, DE
Die Arbeit „Das Parlament im Freien – ein Ort maximaler Teilhabe sollte ein Freiraum sein!“ verzichtet gänzlich auf Neubaumaßnahmen und rückt einerseits den Freiraum in den Mittelpunkt als Ort der Begegnung und stärkt andererseits die Paulskirche mit vier zusätzlichen Zugängen als einen neuen Ausstellungsraum. Eine besondere Qualität dieser Arbeit ist die konsequente barrierefreie Zugänglichkeit aller Angebote im Freiraum und in den Gebäuden. Demgegenüber führt der geringe bauliche Eingriff dieses Beitrages dazu, dass das Raumprogramm nicht in Gänze erfüllt wird.
Für den Freiraum wird im Bereich der Platanen eine Art „parlamentarische Tischanordnung“ als niederschwelliger Ort für Debatten sowie eine flexible Bestuhlung vorgeschlagen, die zur Teilhabe und Aneignung einladen. Im Gebäude der Stadtkämmerei wird eine schlüssige Durchlässigkeit der Erdgeschosszone in Ost-Westrichtung vorgesehen und im Bereich des Mittelbaus ein Café platziert. An der nördlichen Gebäudeseite werden in der Erdgeschosszone zusätzliche Öffnungen hergestellt. Aus Sicht der Denkmalpflege sind die Eingriffe in die Grundrissstruktur der Stadtkämmerei im Einzelfall kritisch zu hinterfragen.
Positiv wird die Freistellung der Paulskirche von Südosten sowie Nordwesten gesehen, gleichwohl ist die Rücknahme der Baumpflanzungen im südlichen Bereich des Paulsplatzes kritisch zu hinterfragen, da sie eine unbeschattete Platzfläche hinterlässt. Die verdichtenden Nachpflanzungen von Bäumen im nördlichen Bereich schaffen demgegenüber eine neue Freiraumqualität im Sinne eines Hains.
Die Paulskirche erfährt durch die neuen Öffnungen mit Rampen und die Ausstellungsebene eine funktionale Stärkung als Besucher:innenort. Die dafür erforderliche Ausstattung bzw. Verbesserung der Einlasssituation bei Veranstaltungen mit Garderoben, Zugangsregulierung u.ä. fehlt jedoch. Eine bauliche Verbindung mit der Stadtkämmerei zur gemeinsamen Nutzung von Infrastrukturen ist nicht vorgesehen. Kritisch werden aus Sicht der Denkmalpflege die Anzahl der Rampen und die daraus resultierenden Eingriffe in die Fassade der Paulskirche gesehen.
Die Nutzungsangebote in der Stadtkämmerei werden kaum im öffentlichen Raum erkennbar, lediglich an der Nordseite wird durch weitere Öffnungen in die Fassade eingegriffen.
Es wird eine Rekonstruktion des historischen Daches der Stadtkämmerei vorgeschlagen, wobei jedoch ein entsprechendes Nutzungskonzept sowie eine gestalterische Ausformulierung vermisst werden.
Insgesamt schlägt die Arbeit „Das Parlament im Freien“ gut ausformulierte niederschwellige und barrierefreie Angebote vor, die insbesondere im Freiraum liegen und in Teilen auch interessante Verknüpfungen der Erdgeschosszonen mit dem öffentlichen Raum umfassen. Sie stellt einen wertvollen Diskussionsbeitrag zu einem „Ort der Demokratie“ dar.
1. Preis: Michael Frielinghaus | Friedberg, DE mit Raimund Haase | Münzenberg, DE
Die Arbeit platziert einen kompakten oberirdischen Baukörper im südöstlichen Bereich des Paulsplatzes und schafft damit eine stadträumliche Fassung des Vorplatzes der Paulskirche ähnlich dessen historischer Größe. Der Baukörper ist unterirdisch mit einem Ausstellungs- und Verbindungsbauwerk unterbaut. Zudem werden in der Gebäudehälfte der Stadtkämmerei, die diesem Vorplatz zugewandt ist, weitere Funktionen des Hauses der Demokratie behutsam und bestandserhaltend untergebracht. Durch diese ausgewogene Kombination von Maßnahmen bewirkt die Arbeit auch als Neubau-Lösung einen relativ geringen Eingriff in vorhandene Natur und Platznutzung. Stadträumlich wirksam ist ein dreigeschossiger, flach gedeckter quaderförmiger Baukörper, der Abstand zur Neuen Kräme aufweist, in dem der bestehende Lichtraum sowie drei Reihen der bestehenden Platanen erhalten bleiben. Östlich der Paulskirche bleibt eine rechteckige Fläche mit Platanenhain, wie er heute vorhanden ist. Bezüglich der Sichtachse entlang der Berliner Straße ergeben sich keinerlei Veränderungen. Die städtebauliche Platzierung wird im Preisgericht kontrovers diskutiert, da sich aus der zurückhaltenden Größe insgesamt eine nur wenig kraftvoll markante Definition der stadträumlichen Kanten ergibt. Die Blickachse zur Paulskirche beim Betreten des Paulsplatzes aus Richtung des Römers ist ein wesentliches Kriterium – diese ist zwar von dem Gebäude betroffen, die geringe und sich unterordnende Gebäudehöhe des Entwurfes fördert jedoch die Sichtbarkeit des Turmes. Der vorgeschlagene Neubau fügt sich maßstäblich in das Raumgefüge am historischen Paulsplatz ein.
Die unterirdische Erschließung der Paulskirche in Verbindung mit der Kämmerei erscheint logisch und denkmalverträglich. Die Eingriffe in die Grundrissstrukturen der Stadtkämmerei sind im Grundsatz ebenfalls denkmalverträglich. Die Arbeit stellt glaubhaft und überzeugend dar, nur minimalinvasiv in den Platanenbestand des Paulsplatzes einzugreifen. Entsprechend der Planung müssen einzelne Platanen gefällt werden, Neupflanzungen sollen unmittelbar vor dem Eingang, in den Grünanlagen vor dem ehemaligen Bundesrechnungshof, vor dem Haupteingang der Paulskirche und in den vergrößerten Grünflächen nördlich der Stadtkämmerei erfolgen, so dass insgesamt nach Umsetzung der Maßnahme mehr Grünflächen und Bäume vorhanden sind als im aktuellen Zustand.
Der schlichte Baukörper wirkt gegenüber den benachbarten Gebäuden – insbesondere der Paulskirche – in Formensprache und Ausdruck angemessen zurückhaltend. Dementsprechend stellt das Preisgericht allerdings eine nur geringe Wirkung im Sinne eines „Signature Buildings“ fest, was zu Diskussionen über Identität und Erfordernis eines markanten, unverwechselbaren Erscheinungsbildes führt. Zudem bewirkt die Idee eines architektonischen Eingangsportals zu vollkommen geschlossenen und abweisenden Nord-/Südfassaden, was nicht vollständig angebracht und in der gestalterischen Wirkung nicht hinreichend differenziert erscheint. Hier erwarten und erhoffen die Beteiligten im Zuge des späteren Realisierungswettbewerbs ansprechendere Lösungen. Die Anforderungen des Raumprogramms und der funktionalen Anforderungen werden durch den Entwurf erfüllt. Die Verbindung der nun drei oberirdischen Gebäude durch eine verbindende unterirdische Raumfolge erscheint für die verschiedenen Nutzungen vorteilhaft und passend. Die Wegeführungen und unterirdische Anbindung der Paulskirche erscheinen sehr gut gelöst.
Der Entwurf bietet eine Lösung an, die zu einem qualitativ überzeugenden Ergebnis führt, für das jedoch bestehende Bäume gefällt und große Aufwendungen eines Neubaus betrieben werden müssen, der zu einem erheblichen Teil energie- und ressourcenaufwändig im Untergeschoss sowie darüber hinaus in einem Bereich des Paulsplatzes geplant ist, der als nicht bebaubar angesehen wird.
1. Preis: rethmeierschlaich architekten PartG mbB und swstudio | Köln, DE mit KNÜVENER ARCHITEKTURLANDSCHAFT Thomas Knüvener | Köln, DE
Die Arbeit überzeugt durch einen intensiv bearbeiteten Grünraum – sowohl auf Stadtebene als Freiraum als auch mit einem zweigeschossigen Dachraum auf dem bestehenden Gebäude. Die
Unterbringung des Hauses der Demokratie im Bestand ohne unterirdische Anlagen erscheint in dieser Arbeit mit dem Schwerpunkt auf einer klimaresilienten Stadt besonders sinnfällig und in der Haltung konsequent.
Das Versprechen einen Ort der Kommunikation und des Austauschs im Freien zu schaffen wird aus Sicht des Preisgerichts eingehalten, weil Maßnahmen gegen eine Überhitzung des Platzes berücksichtigt werden. So kann der Paulsplatz weiterhin ein beliebter Stadtraum bleiben, weil ein Mikroklima geschaffen wird, das zum Aufenthalt auch bei steigenden Temperaturen einlädt. Eine Reihe an Elementen, die geeignet sind, um das Mikroklima am Paulsplatz zu verbessern werden in der Arbeit detailliert und aussagekräftig dargestellt und haben das Potential als Katalog sinnfälliger Maßnahmen über den Ideenwettbewerb hinaus in die Bearbeitung des Areals einzufließen.
Regenwassermanagement und Energiegewinnung werden spielerisch gestalterisch integriert. Der formale Umgang ist von angenehmer Leichtigkeit geprägt. Orte für Kommunikation erscheinen niedrigschwellig nutzbar für alle Gruppen der Bevölkerung. Dadurch entsteht ein inklusiver und generationenübergreifender Ort mit Alleinstellungsmerkmal als besonders begrüntem Stadtplatz in Frankfurt. Nutzungen wie der Schulgarten und die heterogene Gestaltung werden kontrovers diskutiert.
Diese Verbindung von sozialen Faktoren der Nachhaltigkeit mit ökologischen Entscheidungen in der Planung macht die Interpretation von einem demokratischen Stadtraum glaubwürdig. Die Arbeit bietet eine Antwort auf die Frage, wie Klimaschutz zu einem positiven Zukunftsbild mit sozialem Mehrwert und damit zu einem demokratisch getragenen Ziel werden kann.
Der Umfang der Entsiegelung unmittelbar vor der stark genutzten Gastronomie an der Neuen Kräme wird zwar in Frage gestellt, jedoch überzeugt das Konzept der landschaftsgestalterischen Gesamtmaßnahmen.
Die Grundrisseingriffe im Bestand erscheinen denkbar. Die Nutzung des Bestandsgebäudes zur Wahrung von Sichtachsen auf die Paulskirche erscheint angemessen. Die Möglichkeit eines Zugangs von Norden und somit eine Belebung des Vorplatzes an der Berliner Straße wird gewürdigt. Die Treppenanlage vor der Fassade wird jedoch kontrovers diskutiert, aber insgesamt als Geste der Zugänglichkeit zur Kenntnis genommen. Der zweigeschossige Dachraum wird vom Preisgericht besonders gewürdigt als Ort, der das Gebäude sichtbar zum öffentlichen Ort macht und das Unterbringen von großflächigen Nutzungen ermöglicht. Während die Prägnanz der grünen Geste auf dem Dach von der Denkmalpflege eher als Beeinträchtigung des Rathausensembles betrachtet wird, schafft sie doch aus Sicht des Preisgerichts auch den gewünschten markanten Ausdruck, der das Bestandsgebäude deutlich als öffentlichen Ort kennzeichnet.
Blaugrüne Infrastruktur als relevanter Faktor der Stadtgestaltung ist in diesem Beitrag besonders intensiv bearbeitet und gelungen gestalterisch inszeniert.
1. Preis: schneider + schumacher Planungsgesellschaft mbH | Frankfurt am Main, DE
Paulskirche und Paulsplatz erhalten eine Ergänzung: das Paulshaus. Skulptural gestaltet nimmt es selbstbewusst die südöstliche Platzecke ein in Form einer großen Geste.
Die Verfassenden der Arbeit wollen eine „Schatzkiste der Demokratie“ schaffen und bringen damit unmissverständlich zum Ausdruck: Demokratie ist uns wichtig und ist ein wertvolles Gut. Der Paulskirche wird zu diesem Zweck ein Solitär von eigener Ausdruckskraft zur Seite gestellt; die Stadtkämmerei erhält ein starkes Gegenüber. Dieses schiebt sich freilich in die Blickachse Paulskirche – Braubachstraße. Durch die städtebauliche Setzung und das Volumen entstehen eine von der Denkmalpflege als bedenklich angesehene Dominanz gegenüber den umgebenden Kulturdenkmalen, insbesondere gegenüber der Paulskirche. An der Neuen Kräme markiert der Bau den Übergang zum Römer. Das aufgeständerte Erdgeschoss des Neubaus lenkt die Fußgänger:innen in Richtung Paulsplatz. Seine geringe Höhe überzeugt das Preisgericht nicht vollends von dieser Scharnierfunktion. Von hier aus wird ein Untergeschoss mit Ausstellungsraum erschlossen, über das die Paulskirche und die Stadtkämmerei angebunden werden. Zugunsten ihrer starken architektonischen Setzung verzichten die Entwerfenden auf das Raumpotenzial im Bestand der Stadtkämmerei. Das ist angesichts der allseits im Architekturdiskurs auszumachenden Hinwendung zum Bestandsumbau, der dem Neubau vorgezogen werden sollte, eine kritisch anzumerkende Entscheidung. Ohne die Architektur in dieser Phase eines Ideenwettbewerbs allzu wörtlich zu nehmen, wird doch klar: dieser Neubau will eine neue, prominente Adresse schaffen und das Innenstadtensemble zwischen Paulsplatz und Römer um einen klar auszumachenden neuen Anziehungspunkt bereichern.
Das Preisgericht diskutiert diese Arbeit intensiv in ihrem Für und Wider. Der Neubau ist groß geraten und beansprucht erhebliche Teile der begrünten, baumbestandenen Freiflächen. Die Qualität des verbleibenden nördlichen Platanenhains ist fragwürdig.
Insgesamt stellt diese Arbeit einen wertvollen Diskussionsbeitrag dar, der mit „lauter Stimme“ eine Position zu einer grundsätzlichen Überbauung des Platanenhains formuliert und in seiner Radikalität zur Auseinandersetzung einlädt.
1. Preis: Schulze Berger Architekten Stadtplaner BDA | Kassel, DE
Der Arbeit gelingt eine solide, klar ablesbare Dreiteilung von ehemaliger Stadtkämmerei / neues Haus der Demokratie, Paulskirche und Platanenhain als Stadtgarten. Vom Bestehenden ausgehend wird das stadträumliche Ensemble gewinnbringend qualifiziert und gestärkt. Mittels eines einheitlichen Belags wird die Fläche zum einen zusammengeführt und zum anderen im Süden bis an die Fassade des Rathauses am Römerberg sowie über die Neue Kräme hinweg bis an die Ostfassaden herangezogen.
Das Raumprogramm des Hauses der Demokratie wird vollends durch Umbau der Stadtkämmerei umgesetzt. Unterirdische Eingriffe werden wohltuend nicht vorgenommen. Besonders überraschend und hervorzuheben sind dabei die Öffnung und Orientierung gen Norden. Als sehr wertvollen Beitrag wird ein Entréeplatz an der Nordwestseite des Ensembles formuliert und bildet einen neuen Platz der Demokratie aus. Mit einem großzügigen Foyer, einem Café und Shop im EG wird die Umnutzung der Stadtkämmerei mit Öffnung gen Norden treffend unterstützt. Workshop- und Laborräume werden zum Foyer hin orientiert. Ergänzt wird das Angebot ebenfalls auf der Dachebene mit einer Skybar nebst Aussichtskanzel auf die Paulskirche. Die BGF erscheint sehr groß, was u.a. dem sehr üppig ausgelegtem Foyer geschuldet ist.
Vom neuen Platz der Demokratie als Ort des Ankommens erfolgt die Besucher:innenlenkung durch das Haus der Demokratie zur Paulskirche, in deren Bestand bis auf die barrierefreie Ergänzung eines Fahrstuhls nicht eingegriffen wird. Der Platanenhain wird lückenhaft ergänzt und zu einem schattigen und erholsamen Stadtgarten mit wassergebundener Wegedecke und Freischankfläche verdichtet. Die wassergebundene Wegedecke verbessert zwar nicht die Wasserdurchlässigkeit der Oberfläche, bildet aber ein spannungsvolles Pendant zu den steinern angrenzenden Plätzen.
Die Walter Kolb Eiche wird als punktueller Schwerpunkt auf dem neu entstandenen Platz gebührend inszeniert. Ein neuer Ort für Demonstrationen und öffentliche Kundgebungen entsteht sehr passend vis à vis zum HDD. Kritisch und dem aktuellen Klimaanpassungsgebot nicht gerecht werdend wird hingegen die sehr steinerne Ausführung des Entréeplatzes diskutiert.
Der Eingriff an der Nordfassade wird weitgehend minimiert. Grundsätzlich erscheint die Erschließung der Stadtkämmerei denkmalverträglich. Die Sichtachse des 1950er Jahre wird respektiert. Die substanziellen Eingriffe in die Stadtkämmerei sind im Grundsatz denkbar, müssen jedoch kritisch überprüft werden.
Sehr gut gelingt es mit wenigen realisierbaren Eingriffen ein stadträumlich schlüssiges Gesamtkonzept mit klarer Adressbildung anzubieten. Kontrovers wird diskutiert, ob die gegenläufigen Adressbildungen die Orientierung erschweren. Die Beziehung der drei herausgearbeiteten Teilbereiche entsteht allerdings durch Nachbarschaft und Nähe. Die Anmutung eines eingeschossigen, kräftigen Vordaches an der Stadtkämmerei als vermeintlich einladende Geste in das neue Haus der Demokratie widerspricht allerdings vollends der im EG ablesbaren Öffnung des Hauses, wirkt eher erdrückend als einladend und wird der gewünschten Wirkung eines solchen Ortes nicht hinreichend gerecht.
1. Preis: SERO ARCHITEKTEN BDA Minkus Schroeter Partnerschaft mbB | Leipzig, DE mit Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten GmbH | München, DE
Die Arbeit schafft sehr viel öffentlichen Raum und nutzt zugleich die bestehende Gebäudesubstanz am Paulsplatz. Das Haus der Demokratie wird in der Stadtkämmerei untergebracht. Es erhält ein begehbares, begrüntes Dach mit zwei Pavillonbauten, in dessen Mitte eine Bühnen-Tribünen-Situation die Möglichkeit des Austauschens und Debattierens bietet und somit das Thema des Gebäudes gekonnt bis hinauf aufs Dach zieht.
Das für das Haus der Demokratie erforderliche Raumprogramm wird im östlichen Teil der Stadtkämmerei untergebracht; auch der Zugang zum Gebäude erfolgt von der Ostseite aus. Positiv wird der unterirdische Verbindungsgang zur Paulskirche bewertet, der funktionell aber noch optimiert werden müsste.
Der westliche Teil der Stadtkämmerei wird als „Haus für das Ehrenamt“ interpretiert und die Gebäudenutzung damit eigenständig um ein weiteres Thema der Demokratie und des Gemeinwohls erweitert. Dass diese Zusatznutzung zum Titel der Arbeit gemacht wurde, kann indessen nicht nachvollzogen werden.
Der Freiraum um die Paulskirche wird in Teilen entsiegelt, barrierefrei erschlossen und stark begrünt, wobei die Bestandsbäume durch biodiverse Pflanzungen erweitert werden. Es entsteht eine hohe Aufenthaltsqualität und gerade in den Sommermonaten ein einladender, kühler und schattiger Ort inmitten von Frankfurt. Dabei werden zeitgemäße Naturbilder geschaffen, welche die beschnittenen Platanen der 1980er Jahre um eine frei wachsende, vielfältige Vegetation ergänzen.
Von Seiten der Denkmalpflege wird kritisch gesehen, dass die Stadtkämmerei nordseitig durch einen Treppenanbau überformt wird. Dies wird als erhebliche Beeinträchtigung des Kulturdenkmals angesehen. Die Grundrisse erscheinen grundsätzlich denkbar. Das intensiv begrünte Dach inklusive seiner Brüstungsausprägung wird aus denkmalpflegerischer Sicht kritisch bewertet. Aus städtebaulicher Perspektive ist es jedoch gerade diese Sichtbarkeit einer neuen Nutzung, die ein Haus der Demokratie in einem Bestandsbau benötigen würde. Mit der Dachnutzung und -begrünung nimmt die Arbeit zudem ein wichtiges Thema zukunftsfähiger Stadtentwicklung auf.
Insgesamt stellt die Arbeit einen äußerst nachhaltigen und zeitgemäßen Vorschlag für die Umnutzung des Stadtkämmereigebäudes für ein Haus der Demokratie dar. Sie verzichtet auf eine zeichenhafte Architektur. In ihrer gestalterischen Zurückhaltung, der Nutzung bestehender Gebäudesubstanz sowie der klimaangepassten Stadtraumgestaltung ist der Entwurf dennoch hochsymbolisch. Zugleich zeigt er eine große Wertschätzung für den öffentlichen Raum als ein hohes Gut einer demokratischen Gesellschaft. Nicht zuletzt verspricht die Arbeit die Schaffung eines öffentlich zugänglichen, attraktiven Ortes auf dem Dach der Stadtkämmerei in Nachbarschaft zur Paulskirche und zur Frankfurter Skyline.
1. Preis: unique assemblage Architekten Probst Schlachter PartG mbB | Frankfurt am Main, DE mit faktorgruen Landschaftsarchitekten bdla Beratende Ingenieure Partnerschaftsgesellschaft mbB | Freiburg, DE
Unter dem Titel „HDD Arena Ort der Demokratie“ setzt das Konzept auf zwei grundsätzliche Ansätze: Zum einen soll der gesamte Stadtraum im Umfeld der Paulskirche mit der Stadtkämmerei und dem Paulsplatz bis an die Bebauung der Neuen Kräme heran einen neuen Bodenbelag erhalten, um dem Ort einen neuen Zusammenhalt zu geben. Der neue Stadtteppich wird durch eingestreute organische Pflanzinseln aufgebrochen und entsiegelt. Die Ränder der Inseln sind als informelle Sitzbereiche eingefasst. Wie der Wurzelhalsbereich der bestehenden Platanen im Pflasterbelag ausgebildet wird, ist nicht erkennbar und wird deshalb kritisch diskutiert. Der neue Platzbelag verleiht dem gesamten Stadtraum eine wohltuende Großzügigkeit, die der freistehenden Paulskirche gut tut. Vor allem die Setzung der Grünflächen im Norden der Stadtkämmerei verspricht hier einen gartenartigen Freiraum, der die vorhandenen Großbäume integriert, Verkehre an der Berliner Straße abschirmt und den zweiten Zugang in die Stadtkämmerei von Norden über Außengastronomie akzentuiert. Auf dem Vorplatz zwischen dem Turm der Paulskirche und dem neuen Haupteingang zum Haus der Demokratie in der Alten Stadtkämmerei wird ein bodenbündiger Wasserspiegel eingelassen, der an heißen Sommertagen ein begehrter Ort für Kinder und Besucher:innengruppen sein wird.
Der zweite Ansatz des Konzeptes basiert auf der städtebaulich wirksamen Inszenierung einer neuen Dachlandschaft, die im Konzept als Arena den Ort der Demokratie baulich übersetzt und aus dem öffentlichen Raum wahrnehmbar auf dem Dach des Historischen positioniert ist. Dieser Ort kann über ein offenes Foyer im Erdgeschoss über Treppenläufe erreicht werden. Im großzügigen Foyer sind Wechselausstellungen oder kleinere Veranstaltungen denkbar. Hat man die Dachlandschaft erreicht, verspricht das Projekt einen hellen offenen und modernen Raum, der als Arena den Diskurs um Demokratie ermöglicht. Interessant ist der überbaute Umlauf als Stadtloggia auf dem Dachgeschoss, der den Aufbau über eine Fuge von den historischen Fassadenstrukturen ablöst und reizvolle Blicke in die umliegenden Stadträume und die Hochhaussilhouette ermöglicht. Die Haltung des Dachaufbaus wird in Bezug auf die Ensemblewirkung mit dem südlich angrenzenden Rathauskomplex aus denkmalpflegerischer Sicht kritisch bewertet. Die Wirkung des zweigeschossigen Aufbaus und das Verhältnis zum historischen Baukörper aufgrund seiner Höhe, den statischen Lasten, und der Nachtwirkung in der direkten Nachbarschaft zum Turm der Paulskirche muss im weiteren Verfahren sorgsam überprüft werden.
Das Projekt schafft es über seine wahrnehmbare Zeichenhaftigkeit aus dem öffentlichen Raum heraus einen starken, zeitgemäßen Ausdruck für einen Ort der Demokratie an der Paulskirche in Frankfurt zu erschaffen.