ADH | Auf dem Hagen West
Göttingen ist als traditionsreiche Universitätsstadt stark von Bildung und Forschung geprägt, was zu einem dauerhaft angespannten Wohnungsmarkt führt. Um dem wachsenden Bedarf an bezahlbarem und qualitativ hochwertigem Wohnraum – besonders für Studierende und einkommensschwächere Gruppen – gerecht zu werden, verfolgt die Stadt das Ziel, neuen Wohnraum zu schaffen und steigenden Mieten entgegenzuwirken. Auch die Wohnungsgenossenschaft eG Göttingen (WG) sieht sich in der Verantwortung, ihren Bestand zu modernisieren und zusätzlichen bezahlbaren Wohnraum bereitzustellen.
Im Nordwesten von Göttingen, gelegen auf dem Hagenberg in unmittelbarer Nähe zum Westpark an der Grone, befindet sich das 9.593 m2 große Wettbewerbsgebiet. Das bogenförmige Areal wird im Norden von der Straße Kesperhof und im Süden von der Straße Unter der Pfalz begrenzt.
Die Wohngebäude entlang der Straße Auf dem Hagen befinden sich überwiegend im Eigentum der Wohnungsgenossenschaft eG Göttingen (WG). Die WG beabsichtigt die Gebäude Auf dem Hagen 6 – 34 aus den 1950er Jahren zurückzubauen und durch eine Neubebauung zu ersetzen. Die zweigeschossige Bestandsbebauung westlich der Straße Auf dem Hagen weist eine geringe bauliche Dichte auf und besteht aktuell aus 86 Wohneinheiten. Diese Wohneinheiten weisen neben ungünstigen Wohnungsgrundrissen auch erhebliche bauliche Mängel auf, so dass eine Sanierung aus wirtschaftlicher Sicht nicht in Frage kommt. Ziel ist es durch eine Neubebauung mehr Wohnfläche und eine höhere Wohnraumqualität mit einem hohen Anteil an sozialem Wohnungsbau zu schaffen. Zudem soll auch der Freiraum aufgewertet und der ruhende Verkehr neu geordnet werden.
Ziel des hochbauplanerischen und freiraumplanerischen Wettbewerbes ist es, im Rahmen eines zweiphasigen Verfahrens ein überzeugendes Gesamtkonzept zu entwickeln. In der ersten Phase soll ein tragfähiges städtebauliches Konzept entstehen, das in der zweiten Phase durch eine vertiefende hochbauliche und freiraumplanerische Ausarbeitung konkretisiert wird. Der neue Entwurf soll sich sensibel in die bestehende gebaute und landschaftliche Umgebung einfügen und gleichzeitig mehr Wohnraum in einem höheren Standard als im Bestand ermöglichen.
Ergebnis des Teilnahmewettbewerbs
Am 30. Januar 2026, endete der Teilnahmewettbewerb für den nicht-offenen 2-phasigen Realisierungs-Wettbewerb gemäß RPW 2013 „Auf dem Hagen West" in Göttingen. Aus 155 eingereichten Teilnahmeanträgen wurden nach Prüfung der Teilnahmeanträge am 02. Februar 2026 10 Büros ausgelost.
Das Protokoll der Auswahlsitzung liegt im Downloadbereich bereit.
Start des Realisierungswettbewerbs
Die 1. Phase des Realisierungswettbewerbs ist am 27.03.2026 gestartet. Die Auslobungsunterlagen stehen den 15 teilnehmenden Planungsteams im Downloadbereich zur Verfügung. Abgabe der Entwürfe ist Freitag der 15.05.2026.
Ergebnis der 1. Phase des Realisierungswettbewerbs
Am 16.06.2026 fand in Göttingen die Preisgerichtssitzung der 1. Phase des Realisierungswettbewerbs statt. Aus 14 eingereichten Arbeiten wurden 5 für die 2. Phase qualifiziert. Das Ergebnisprotokoll steht im Downloadbereich zur Verfügung.
Ergebnis der 2. Phase des Realisierungswettbewerbs
Am 23.09.2026 fand in Göttingen die Preisgerichtssitzung zur 2. Phase des Realisierungswettbewerbs statt. Aus den fünf qualifizierten Arbeiten wurden nach eingehender Diskussion drei Preisträger ausgewählt. Das Ergebnisprotokoll steht im Downloadbereich zur Verfügung.

Preisgericht
Fachpreisrichter*innen
Sachpreisrichter*innen
Ständig anwesende stellvertretende Fachpreisrichter*innen
Stellvertretende Sachpreisrichter*innen
Downloads
Protokolle
Projekt-Ergebnisse
↑1. Preis
1. Preis: pape+pape architekten PartGmbB, Kassel mit Plandrei Landschaftsarchitektur GmbH, Erfurt
Städtebau und hochbauliches Konzept
Der Entwurf überzeugt durch seine klare städtebauliche Struktur. Mit den giebelständigen Langhäusern wird der Rhythmus der nordöstlichen Bestandsbebauung aufgegriffen. Die Langhäuser werden überzeugend durch einen traufständigen Gebäudeteil ergänzt, der um einen gemeinsamen Erschließungskern organisiert ist. Die für den Ort neue Gebäudetypologie greift charakteristische Architekturelemente des Stadtquartiers der 1950er-Jahre auf und bildet mit sechs gleichartigen Baukörpern eine klare architektonische Struktur für die Neubebauung.
Sechs der sieben Baukörper werden symmetrisch um den sinnvoll in mittlerer Lage verorteten Quartiersplatz angeordnet und entlang des Straßenverlaufs klar gereiht. Die gestaffelten Firsthöhen der Teilbaukörper greifen die bestehende Zeilenbebauung auf und stärken deren räumliche Wirkung.
Der südliche Auftakt erscheint in seiner Maßstäblichkeit hingegen zu zurückhaltend. Auch die Betonung dieser markanten Stelle durch die nachgeordneten Gauben wirkt unentschlossen. Im Zuge einer Überarbeitung wäre hier ein zusätzliches Geschoss wünschenswert; auch eine abweichende Dachform erscheint an dieser Stelle denkbar.
Funktionales Konzept
Die in drei Grundrissvarianten entwickelten Baukörper mit dem Erschließungskern in der Gebäudefuge ermöglichen die interne Erschließung von bis zu fünf Wohnungen je Geschoss und bilden damit eine gute Grundstruktur für den in der Auslobung breit gefächerten Wohnungsmix. Die Struktur bietet zudem gute Voraussetzungen für eine bauliche Umsetzung in teilserieller Fertigung. Die differenziert gestalteten Putzfassaden mit Sockelzone prägen die klar formulierten Baukörper. Auch die geforderten Balkone sind als Loggien selbstverständlich in die Grundbaukörper integriert.
Baukörper, Grundrisse und die mehrspännig genutzten Erschließungskerne ergeben ein wirtschaftliches Verhältnis von BGF zu Wohnfläche. Der geforderte Wohnungsmix wird auch hinsichtlich des Anteils an förderfähigen Wohnungen gut erfüllt. Im Zuge einer Überarbeitung sollten die Grundrisse der traufständigen Gebäudeteile hinsichtlich ihrer teilweise sehr gestreckten Struktur überprüft werden. Soweit im Rahmen der Überarbeitung zusätzliche Wohnungen im Verhältnis des ausgelobten Wohnungsmixes geschaffen werden können, wird dies begrüßt.
Die direkt erreichbaren Fahrradabstellplätze im Untergeschoss stellen einen guten Lösungsvorschlag dar.
Freianlagen
Die Anordnung der Stellplätze entlang der Grundstücksgrenze wird sowohl aus gestalterischer Sicht als auch aufgrund möglicher verkehrlicher Konflikte mit dem Busverkehr kritisch gesehen. Die Unterbringung der Mülltonnen in einem Kleinstgebäude bietet hinsichtlich des Sichtschutzes gestalterische Vorteile, lässt bei einem nutzerabhängigen Müllaufkommen jedoch nur eine eingeschränkte Flexibilität zu.
Der Standort der Bushaltestelle am Quartiersplatz ist gut gewählt. Im Zuge einer Entwurfsüberarbeitung sollte unter Berücksichtigung der örtlichen Topografie eine bislang nicht erkennbare stufenlose Wegeverbindung vom Quartiersplatz zum öffentlichen Spielplatz entwickelt werden.
Der Systematik der Gebäudestellungen folgend, werden die Wohnhöfe den einzelnen Hausgruppen klar und nachvollziehbar zugeordnet. Das plangegebene Gelände mit der begrünten Böschung zum Mistweg wird dabei gut ausgeschöpft. Weniger überzeugend erscheinen hingegen die halböffentlichen Wegeführungen entlang der Erdgeschosswohnungen, bei denen eine angemessene Distanz zwischen privaten Wohnbereichen und Erschließungsflächen vermisst wird. Auch eine barrierearme Erschließung zum städtischen Spielplatz ist in der erforderlichen Länge derzeit nicht eindeutig ablesbar und sollte überprüft werden.
Aufgrund der durchgängig straßenseitig angeordneten Pkw-Stellplätze und der erforderlichen Feuerwehrandienung muss ein Großteil der bestehenden Stellplätze im Straßenraum entfallen. Dieser Aspekt sollte im weiteren Planungsprozess berücksichtigt werden.
Zusammenfassung
Insgesamt überzeugt der Entwurf durch seine klare und gut nachvollziehbare städtebauliche Struktur, die überzeugende Interpretation der ortstypischen Gebäudetypologie sowie flexibel und wirtschaftlich nutzbare Gebäudetypen. Der Wohnungsmix einschließlich des Anteils an förderfähigen Wohnungen wird den Anforderungen der Auslobung gut gerecht. Auch die klare Zuordnung der Wohnhöfe und die wirtschaftliche Organisation der Erschließung stellen Qualitäten des Entwurfs dar.
Weiterzuentwickeln sind insbesondere der südliche Quartiersauftakt, die Gestaltung und Anordnung der Stellplätze sowie die barrierearme beziehungsweise stufenlose Verbindung zum öffentlichen Spielplatz. Auch die Qualität der Übergänge zwischen den privaten Erdgeschossbereichen und den halböffentlichen Wegeführungen sollte im Zuge einer Überarbeitung weiter geschärft werden.
↑2. Preis
2. Preis: htarchitektur Henrike Thiemann Architekten BDA, Münster mit brandenfels landscape + environment, Münster
Städtebau
Der Entwurf überzeugt im städtebaulichen Ansatz durch eine feinfühlige Vermittlung zwischen den unterschiedlichen Höhenstrukturen der Umgebungsbebauung. Die geschickte Staffelung der Baukörper entfaltet sowohl zur Straßen- als auch zur Gartenseite eine angenehm proportionierte und maßstäbliche Wirkung. Besonders das stimmungsvolle Entrée mit seinen Sequenzen aus Höfen und dem zentral gesetzten Hofbaum stellt einen atmosphärisch wertvollen Beitrag zur Quartiersentwicklung dar.
In der vertieften städtebaulichen und betrieblichen Betrachtung ergeben sich jedoch gravierende Zielkonflikte. Die aus städtebaulicher Sicht grundsätzlich begrüßenswerte Platzierung des prägenden Hofbaums steht im direkten Widerspruch zu den rettungs- und brandschutztechnischen Belangen. Da der Baum die erforderlichen Anleiterflächen für die rückwärtig gelegenen Wohnungen einschränkt, kann die Nachweisbarkeit des zweiten Rettungswegs in der gezeigten Form nicht gewährleistet werden.
Besonders kritisch hinterfragt die Jury den Umgang mit den ruhenden Verkehrsflächen im Süden des Areals. Der dort oberirdisch geplante Stellplatz wirkt deplatziert und wird der gestalterischen Verantwortung an diesem wichtigen Quartiersauftakt nicht gerecht. Der Entwurfsverfasser verpasst hier die Chance, ein adäquates, städtebaulich integriertes Entrée für das gesamte Quartier zu formulieren. Auch der Umgang mit der ausgeprägten Topografie bleibt in der Darstellung eher zurückhaltend und lässt eine schlüssige Einbindung in den Geländeverlauf vermissen.
Adressbildung
Die Orientierung und Auffindbarkeit der Hauseingänge ist sowohl straßen- als auch hofseitig gut gelöst und schafft eine einladende Nachbarschaft. Die klaren Überdachungen und Akzentuierungen im Erdgeschoss bilden funktionale und gut gestaltete Ankunftspunkte.
Freianlagen
Die Arbeit überzeugt mit einer ausdifferenzierten Bildung kleiner Eingangsbereiche zu jedem Gebäudeblock, die jeweils durch einen Hofbaum als Treffpunkte akzentuiert werden. Unterstützt wird die Entréebildung durch die Zuordnung von Stellplätzen sowie Fahrradstellplätzen zu jedem Eingangsbereich. Passend wird dem Gemeinschaftsbereich ein Außenbereich zum Quartiersplatz hin zugeordnet.
Die Freianlagen bilden zwar wohnungsnahe, allerdings private Freiräume, schöpfen aber aufgrund der belassenen Topografie die Potenziale des Gartengrundstücks nicht voll aus. Nicht überzeugt die dargestellte Lösung zur Überwindung des Topographiesprungs. Insbesondere im Bereich des städtischen Spielplatzes sollte eine zumindest barrierearme Erschließung vorgesehen werden.
Hochbauliches Konzept
Die architektonische Haltung der Gebäude ist solide und gut durchdacht. Gerade der Höhenversprung zwischen den beiden Gebäudeteilen ist positiv hervorzuheben und gliedert nicht nur das Quartier, sondern auch den Baukörper. Die geneigten Dachflächen und die wertigen, mineralischen Putzfassaden verleihen dem Quartier einen eigenständigen, ruhigen Charakter.
Hinsichtlich der inneren Struktur und Wirtschaftlichkeit wirft das Hochbaukonzept jedoch deutliche Fragen auf. Die Grundrisse weisen in den Obergeschossen nicht nur zahlreiche verspringende Wände auf, sondern offenbaren auch eine ungünstige Flächeneffizienz. Das Verhältnis von eigentlicher Wohnfläche zu den reinen Erschließungsflächen fällt spürbar nachteilig aus. Diese Geometrie lässt einen erhöhten baulichen und finanziellen Realisierungsaufwand erwarten. Zudem sind die Flurflächen nicht intuitiv erschließbar.
Funktionales Konzept
Im funktionalen Gefüge zeigt der Entwurf ein zwiespältiges Bild. Sehr positiv hebt die Jury die gut durchdachte und attraktiv gelöste Fahrradabstellanlage hervor, die einen wertvollen Beitrag zur nachhaltigen Mobilität im Quartier leistet.
Demgegenüber stehen jedoch deutliche funktionale und programmatische Mängel. Die angestrebte Quote von 66 % förderfähigen Wohnungen wird deutlich unterschritten, da mehrere Wohnungen die vorgegebenen Flächenobergrenzen in der Auslobung überschreiten. Zudem wird die Integration von Maisonettewohnungen im freifinanzierten Segment seitens der Jury kritisch diskutiert. Diese Typologie erweist sich hinsichtlich Flächeneffizienz, Barrierefreiheit und Erschließungsaufwand als unzweckmäßig. Auch die Anordnung des innenliegenden Müllraums wird aus betrieblichen Gründen als sehr schwierig bewertet.
Zusammenfassung
Die Verfasser legen einen gestalterisch ansprechenden und städtebaulich sensiblen Beitrag vor, der durch seine maßstäbliche Baukörpergliederung und die Qualität der Fahrradinfrastruktur besticht. Die Arbeit weist jedoch in wesentlichen Kernbereichen – der verfehlten Förderquote, dem Umgang mit dem südlichen Stellplatz, den Zielkonflikten beim Brandschutz sowie der unzureichenden Grundriss- und Erschließungseffizienz – Schwächen auf, die eine tiefgreifende Überarbeitung erforderlich machen würden.
↑3. Preis
3. Preis: Gerber Architekten GmbH (Architekten + Landschaftsarchitekten), Dortmund
Städtebau
Der Entwurf entwickelt sechs traufständig zur Straße Auf dem Hagen angeordnete Zeilenbauten mit Satteldach. Vier der Gebäude verfügen über jeweils zwei Eingänge, zwei kürzere Baukörper über jeweils einen Eingang. Durch eine leichte Verdrehung gegenüber der Straßenflucht sollen entlang der Straße kleinere Platzräume und nachbarschaftliche Bereiche entstehen.
Die Ausprägung der Verdrehung erscheint jedoch teilweise willkürlich und zu schwach, um tatsächlich eigenständige und ansprechende Raumsequenzen zu erzeugen. Auch die Anordnung der kürzeren Baukörper wirkt nur eingeschränkt nachvollziehbar. Der Quartiersplatz sowie die Verbindung vom Quartiersplatz zum Spielplatz werden durch die Stellung und Ausprägung der Gebäude nicht ausreichend betont.
Die Häuser fügen sich mit ihrer Kubatur und Gestaltung grundsätzlich gut in das Umfeld ein. Die klare Reihung der Baukörper und die gewählte Satteldachtypologie greifen dabei selbstverständlich die vorhandene städtebauliche Struktur auf.
Freianlagen
Die durch die Gebäudestellung entstehenden Zwischenräume werden überwiegend funktional genutzt und weisen nur eingeschränkte freiräumliche Qualitäten auf. Die Aufweitungen der kleineren Vorplätze zum Straßenraum hin lassen keine klare formale Systematik erkennen und werden hinsichtlich ihrer räumlichen und funktionalen Sinnhaftigkeit kritisch diskutiert. Die Erscheinung zum Straßenraum wird durch die formal ausgeprägten Schnitthecken unnötig massiv und wirkt dadurch wenig einladend.
Positiv hervorzuheben ist die konsequente Westausrichtung der Wohnungen. Alle Wohnungen werden über Terrassen oder Balkone mit privaten Freiräumen qualifiziert. Der anschließende abgeböschte Bereich wird im Sinne klassischer Planungen der 1950er- und 1960er-Jahre als eher einsehbarer, naturnäherer Freiraum interpretiert.
Die rückwärtige Geländemodellierung führt zu einem deutlichen Geländeversprung und teilt die Freianlagen in eine schmale, hausnahe Gartenzone und eine darüberliegende, nicht näher definierte gemeinschaftliche Freifläche. Die barrierearme Erschließung zum städtischen Spielplatz erscheint in ihrer Ausformulierung zudem formal eher unbeholfen.
Hochbauliches Konzept
Die Häuser selbst fügen sich mit ihrer Kubatur und Gestaltung grundsätzlich gut in das Umfeld ein. Die Fassaden sind klar gegliedert, wirken aufgrund der großen Länge der Zeilen jedoch teilweise streng.
Die Weiterentwicklung der rückwärtigen Balkonstruktur wird positiv bewertet. Durch die stärkere Zuordnung der Balkone zu den einzelnen Wohnungen und den Verzicht auf eine durchgehende Struktur über die gesamte Hausbreite entsteht ein architektonisch einheitlicheres Erscheinungsbild von Vorder- und Rückseite.
Die Materialität wird hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Realisierbarkeit kritisch gesehen. Auch der Einsatz bodentiefer Fenster wird kontrovers diskutiert.
Funktionales Konzept
Die Häuser weisen sehr gute Wohnungsgrundrisse mit überwiegend durchgesteckten Wohnungen auf. Lediglich vereinzelt finden sich ausschließlich nach Westen orientierte Mittelwohnungen. Die konsequente Westausrichtung stellt dabei eine besondere Qualität des Entwurfs dar.
Die guten Wohnungsgrundrisse werden allerdings mit einem vergleichsweise hohen Erschließungsaufwand erreicht. Die Häuser sind zwei-, maximal dreispännig organisiert; insgesamt entstehen zehn Erschließungskerne. Das Verhältnis zwischen der hohen Grundrissqualität und dem damit verbundenen Erschließungsaufwand ist daher kritisch zu betrachten.
Der Wohnungsmix entspricht weitgehend den Vorgaben. Es werden etwas mehr 3-Zimmer- und entsprechend weniger 5-Zimmer-Wohnungen angeboten. Die Anzahl der förderfähigen Wohnungen ist ausreichend.
Die Feuerwehranleiterbarkeit ist von der Straße aus grundsätzlich gegeben. Bei den Mittelwohnungen erfolgt die Anleiterung über eine Steckleiter von der Rückseite.
Die Stellplätze werden überwiegend in zwei Tiefgaragen an den nördlichen und südlichen Enden der Bebauung untergebracht. Die Wirtschaftlichkeit dieser Lösung wird kritisch gesehen; eine alternative Anordnung der Stellplätze erscheint innerhalb des gewählten Entwurfsansatzes jedoch schwierig. Die Fahrradabstellräume sind in den Kellergeschossen angeordnet und ausschließlich über Treppen mit Fahrradrampe erreichbar.
Zusammenfassung
Die Arbeit 3005 überzeugt insbesondere durch ihre sehr gute Wohnungsgrundrissqualität, die überwiegend durchgesteckten Wohnungen und die konsequente Ausrichtung der Wohnräume und privaten Freiräume nach Westen. Die Weiterentwicklung der Balkonstruktur trägt zudem zu einem ruhigeren und einheitlicheren architektonischen Erscheinungsbild bei.
Demgegenüber bleiben die städtebauliche Setzung und insbesondere die räumliche Ausformulierung der Zwischenbereiche hinter ihren Potenzialen zurück. Die Verdrehung der Baukörper erzeugt keine ausreichend klaren Raumfolgen, während Quartiersplatz und Verbindung zum Spielplatz nicht ausreichend gestärkt werden. Auch der hohe Erschließungsaufwand sowie die wirtschaftlich kritisch bewerteten Tiefgaragen stellen wesentliche Aspekte der weiteren Bearbeitung dar.
↑2. Phase – 2. Rundgang
2. Phase – 2. Rundgang: HHS Planer + Architekten AG, Kassel mit sala landschaftsarchitektur, Kassel
Städtebau
Der Entwurf entwickelt eine punktartige städtebauliche Grundstruktur. In der Serie der insgesamt acht Gebäude entsteht durch die leichte Drehung der Baukörper eine eigenständige Figur, die sich in die Topografie integriert. Im Süden werden zwei Gebäude über ein Kellergeschoss miteinander verbunden und bilden den Auftakt des Areals.
Die Setzung erzeugt eine klare städtebauliche Figur, führt durch die vergleichsweise große Gebäudetiefe jedoch zu einem hohen baulichen Fußabdruck. Dadurch sind eine stärkere Anpassung an das städtebauliche Umfeld und die Ausbildung zusammenhängender Freiräume nur eingeschränkt möglich. Der zentral angeordnete Quartiersplatz ist grundsätzlich gut positioniert und wird durch wohnungsnahe Einrichtungen ergänzt. Im Zusammenspiel mit der bestehenden Nachbarschaft bleibt die Setzung jedoch kontrovers diskutierbar.
Freianlagen
Die Anordnung der Stellplätze an den Enden der Bebauungsstruktur eröffnet grundsätzlich Freiraumpotenziale zwischen den Gebäuden, führt jedoch zu langen Wegen und erscheint daher funktional nicht optimal.
Die Verbindung vom Quartiersplatz zum Spielplatz wird über eine Rampenanlage mit guter Aufenthaltsqualität gelöst. Schatten spendende Bäume wären hier wünschenswert. Der südwestliche Freiraum kann hingegen in seiner Ausbildung nicht überzeugen. Insbesondere fehlt ein klarer Freiraumbezug der Erdgeschosswohnungen. Insgesamt wirkt der Freiraum eher ausgeräumt und schematisch. Auch die Fassadenbegrünung wirkt additiv und nur bedingt mit der Architektur verbunden.
Hochbauliches Konzept
Die Gebäudekubaturen folgen dem klassischen Typus des Hofhauses mit zentralem Treppenhaus. Dieser wird grundsätzlich begrüßt und ermöglicht eine hohe Wohnqualität mit zahlreichen Über-Eck-Wohnungen. Gleichzeitig führt die erforderliche Grundrisstiefe zu einem vergleichsweise großen Fußabdruck.
Das leicht geneigte Satteldach verleiht den Gebäuden eine klare Ausrichtung, wird im Zusammenspiel mit dem Hofhaustypus jedoch städtebaulich und architektonisch kontrovers diskutiert. Die serielle Wiederholung der Baukörper entwickelt dabei eine eigenständige architektonische Sprache.
Funktionales Konzept
Die Wohnungen sind um das zentrale Treppenhaus grundsätzlich klar organisiert; in der Regel werden vier Wohnungen je Geschoss erschlossen. Die zahlreichen Über-Eck-Bezüge stellen dabei eine besondere Qualität dar.
Überarbeitungsbedarf besteht bei den größeren Wohnungen mit teilweise langen Fluren. Auch der straßenseitige Zugang über die Gebäudeecke kann in Verbindung mit den halb eingezogenen Balkonen und dem verwinkelten Zugangsbereich nicht vollständig überzeugen.
Zusammenfassung
Die Arbeit entwickelt mit ihrer seriellen, punktartigen Setzung einen eigenständigen städtebaulichen Ansatz. Der Hofhaustypus bietet dabei eine überzeugende Grundlage für gut organisierte Wohnungen mit zahlreichen Über-Eck-Bezügen.
Weiterzuentwickeln sind insbesondere die Einbindung in die bestehende Nachbarschaft, die Gestaltung der südwestlichen Freiräume sowie der Freiraumbezug der Erdgeschosswohnungen. Auch einzelne Aspekte der Grundrissorganisation und Erschließung bedürfen einer weiteren Schärfung.
2. Phase – 2. Rundgang: PASD Feldmeier Wrede Architekten BDA, Hagen mit wbp Landschaftsarchitekten GmbH, Bochum
Städtebau
Der Entwurf entwickelt entlang der Straße Am Hagen eine rhythmische Struktur aus der abwechselnden Längs- und Querstellung der Gebäudekörper. Aus dieser Setzung entstehen wohltuende und großzügige Vorbereiche, die die Eingänge der Häuser definieren und zu einer guten Adressbildung beitragen. Die Überlagerung dieser Platzbereiche mit den erforderlichen Pkw-Stellplätzen schwächt diesen grundsätzlich positiven Ansatz. Gleichzeitig rücken die quer gestellten Gebäude dadurch sehr nah an die westliche Grundstücksgrenze.
Eine überzeugende städtebauliche Reaktion auf die Bestandsbebauung im Osten und Westen des Grundstücks wird von der Jury vermisst. Insbesondere das Verhältnis der neuen Baukörper zur bestehenden Bebauungsstruktur bleibt in der Setzung nur eingeschränkt nachvollziehbar.
Hochbauliches Konzept
Die Weiterentwicklung der dreigeschossigen Flachdachkörper mit Staffelgeschoss führt zu Gebäuden mit unterschiedlichen Gebäudelängen. Der grundsätzlich serielle und wirtschaftliche Ansatz gleichartiger Baukörper wird dabei zugunsten einer stärker auf die jeweiligen Grundrisse abgestimmten Gebäudeausbildung aufgegeben.
Die Gliederung der Fassaden und deren farbliche Differenzierung können hingegen nicht vollständig überzeugen. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass die gewählte Codierung zugleich zwischen geförderten und freifinanzierten Gebäuden unterscheidet.
Funktionales Konzept
Der geforderte Wohnungsmix wird sehr gut erreicht. Die Wohnungen weisen teilweise längere und abgewinkelte Flurerschließungen auf. Dabei führen die Erschließungswege zunächst an den privaten Räumen vorbei, bevor sie sich zu den öffentlicheren Wohn- und Essbereichen öffnen. Diese Organisation wird hinsichtlich ihrer räumlichen Logik kritisch gesehen.
Besonders kritisch wird die ausschließlich über den Aufzug erfolgende Erschließung der Fahrradkeller bewertet, da diese Lösung im alltäglichen Gebrauch als nicht praktikabel erscheint.
Freianlagen
Die Freianlagen wirken insgesamt eher schematisch und zeigen nur begrenzte räumliche Qualitäten. Insbesondere die Vorgartenbereiche können ihre Potenziale durch die Anordnung der Versickerungsmulden nur eingeschränkt entfalten. Die dargestellte Lösung erscheint zudem nicht schlüssig im Umgang mit der vorhandenen Gefällesituation.
Zusammenfassung
Die Jury würdigt die Weiterentwicklung der Baukörper sowie den gut erfüllten Wohnungsmix. Die städtebauliche Setzung erzeugt mit ihren großzügigen Vorbereichen grundsätzlich eine überzeugende Grundlage für die Adressbildung. Insgesamt wirkt die vorgeschlagene architektonische Lösung im Kontext des Ortes jedoch leicht deplatziert und fremd. Insbesondere die fehlende Reaktion auf die bestehende Bebauung sowie die nur schematisch entwickelte Freiraumgestaltung schränken die städtebauliche Einbindung des Entwurfs ein.