Hotel und Wohnen an der Spree


Hotel und Wohnen an der Spree, Berlin

Hotel und Wohnen an der Spree | Berlin

2-phasiger Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren

Die Agromex GmbH & Co. KG hat ein exponiertes Ufergrundstück mit ca. 70000 qm in Berlin-Treptow Köpenick erworben, um dort Hochhäuser zu realisieren.
Die bisherige Bebauungsplanentwurf sieht eine Bebauung der Grundstücke mit einer Geschossfläche von insgesamt ca. 37.900 qm vor. Diese soll sich mit einem Wohnanteil von 70% sowie einem Hotelanteil von 30% in den Arbeiten wiederfinden.

Leistungen:
12/2011 bis 06/2012: Beratung, Bedarfsplanung, Machbarkeitsstudien, Auslobung, Wettbewerbsmanagement, Vorprüfung, Projektsteuerung, Begleitung der Bauleitplanung, Ausstellung

Preisträger:
1. Preis: Pysall Architekten, Berlin
2. Preis: Barkow Leibinger, Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin
3. Preis: Hascher Jehle Architektur, Berlin

Teilnehmer:
Zur Teilnahme am Verfahren wurden die folgenden 15 Büros* (Architekten/innen) eingeladen, nur sie waren zur Teilnahmer berechtigt:

  • 3XN A/S
  • Barkow Leibinger Architekten, Berlin
  • Baumschlager Eberle, Berlin
  • e2a eckert eckert architekten AG, Zürich, Schweiz
  • gregor Fuchshuber & Partner, die Kollegen, Leipzig
  • Grüntuch Ernst Architekten, Berlin
  • Hadi Teherani AG, Hamburg
  • Harry Gugger Studio, Basel, Schweiz
  • Hascher Jehle Architektur, Berlin
  • Henning Larsen Architects A/S, München
  • ingenhoven archtects GmbH, Düsseldord
  • KSP Jürgen Engel Architekten, Frankfurt am Main
  • Léon Wohlhage Wernik Architekten, Berlin
  • Pysall Architekten, Berlin
  • Sauerbruch Hutton, Berlin
  • *1. Phase: 14 Arbeiten aus 62 Bewerbern, 2. Phase: 5 Arbeiten

    Preisträger

    1. Preis Pysall Architekten, Berlin

    Verfasser: Justus Pysall
    Mitwirkende: Byounggil Jung, Alicja Kepka-Guerrero, Clemence Touzet, Dennis Fonteiner
    Fachberater: Prof. Karen Eisenloffel, EiSat GmbH, Berlin (Tragwerksplanung), GTB Berlin Gesellschaft für Technik am Bau mbH, Berlin (TGA), hhpberlin Ingenieure für Brandschutz GmbH, Berlin (Brandschutz)

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    Beurteilung des Preisgerichts

    Städtebaulich überzeugt die Arbeit durch eine subtile Setzung der drei neuen Hochhauskörper im Kontext mit dem gewachsenen Quartier und in Bezug auf die besondere Lage direkt am Spreeufer. Die konzeptionelle Entscheidung, die ausgelobte Grundfläche für das Wohnen in zwei schlanke, jedoch hierdurch um bis zu 110m hohe Türme zu integrieren, schafft viel Freiraum für das gesamte rückwärtige Quartier und einen sehr wohltuenden Abstand zum Hotel. Dieses bietet mit seiner sehr eigenständigen und moderaten Kubatur und seiner identitätsstiftenden Fassade einen gelungenen Übergang zu den TwinTowers. Die Flächenausnutzung des Hotels im Bereich der Zimmer sollte allerdings geringfügig erhöht werden.

    Der offene Raum zwischen Hotel, Wohnen und Quartiersplatz bietet „Spree für alle“ und bildet auch eindeutig die vielfältig nutzbare Sockelzone mit Adressbildung für die neuen Häuser, ohne hier private Zonen ausbilden zu müssen.

    Die leicht versetzte Lage der beiden Wohntürme in Verlängerung der östlichen Quartiersbebauung überzeugt vor allem aus der Perspektive des Fußgängers und wirkt, auch in der Höhenentwicklung mit dem höheren Turm am Platz, sehr gut und sensibel gesetzt.

    Die Grundrisse der Wohntürme sind knapp bemessen, jedoch hoch qualitativ in Nutzung und Ausrichtung. Die Gesamtflächen sind aber am unteren Limit der Programmflächen. Die Geschosshöhen im Wohnbau sind zu gering bemessen. Gefordert sind lichte Raumhöhen von 2,90 m (unter Beibehaltung der Geschossanzahl).

    Die freundliche und tagesbelichtete Etagenlobby bietet einen ganz besonderen Mehrwert und eine hohe Raumqualität. Nicht überzeugen können die versetzt angeordneten unterschiedlich breiten Balkone, die in ihrer Nutzungsqualität und Einbindung in die Wohnbereiche bei solch hohen Hochhäusern beschränkt sind. Hier wäre eine Zusammenfassung umlaufender Balkone und eingeschobener Loggien wünschenswert, die aber den Duktus der Häuser nicht nachteilig verändern sollten. Die Fassaden der Wohntürme lassen noch Detailfragen offen und bedürfen einer intensiveren Betrachtung, ohne natürlich die grazile Gesamterscheinung zu gefährden.

    Die Gestaltung der Fassaden des Hotels überzeugt durch ihre eigenständige Architektursprache gegenüber dem Wohnen, auch die Skalierung in den Ebenen gefällt.

    Tragwerk und energetisches Konzept sind nachvollziehbar und verständlich, also voraussichtlich wirtschaftlich realisierbar.

    Insgesamt bietet der Entwurf eine sehr subtile städtebauliche Antwort auf die komplexe Situation entlang der Spree, im Kontext und mit Respekt zu der vorhandenen Bebauung. Auch die inneren Qualitäten beim Wohnen und im Hotel überzeugen, dies allerdings in gewissem Maße auf Kosten der geforderten Nutzflächen für Hotel und Wohnen.

    2. Preis Barkow Leibinger, Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin

    Verfasser: Frank Barkow
    Mitwirkende: Michael Ahlers, Martina Bauer, Michael Bölling, Gustav Düsing, Clemens Gerritzen, Jerome Hord, Nadja Jeske, Elizaveta Mosina, Jens Weßel, Sara Wiedenbeck
    Fachberater: BuroHappold (Tragwerk, Klima/Energie, Haustechnik), hhpberlin Ingenieure für Brandschutz GmbH (Brandschutz)

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    Beurteilung des Preisgerichts

    Die städtebauliche Grundidee, zwei sich ähnelnde Wohngebäude und ein Hotel als architektonische Variation zu entwickeln, kann überzeugen. Die Wohnhochhäuser spielen geschickt mit unterschiedlichen Horizonten und Staffelungen. Die abfallende Höhenentwicklung vom Allianz-Tower zu den TwinTowers erscheint jedoch nicht plausibel.

    Die Erdgeschosse sind in ihrer Größe in Bezug auf die Transparenz der „Grünen Mitte“ gut gewählt. Der vorgestellten Lösung für die „Grüne Mitte“ und den Supermarkt kann das Preisgericht folgen. Sie lässt eine gute Aufenthaltsqualität mit Durchblicken auf die Spree erwarten.

    Die jeweils auf die Ecken ausgerichteten Grundrisse entspannen die knappen städtebaulichen Abstände zwischen den Wohngebäuden und bieten eine gute Lösung. Die gut gewählten Dimensionen des Grundrisses und das Layout des Kerns lassen eine hohe Effizienz und vielfältige Variationen in den Wohnungen erwarten. Das Heranrücken des Hotels an die TwinTowers und die U-förmige Anordnung der Hotelzimmer im Grundriss (von den TwinTowers abgewendet) werden konsequent aus der städtebaulichen Grundidee entwickelt.

    Die beiden Wohntürme zeigen in ihrer architektonischen Ausformulierung eine angemessene, großstädtische Form des Wohnens. Die Fassaden arbeiten mit gleichen Prinzipien, erscheinen aber auf Grund der räumlichen Versätze als individuelle Baukörper. Die umlaufenden Balkone und eingeschnittenen Loggien lassen eine hohe Wohn- und Nutzungsqualität erwarten. Das „Netz“ als äußere Ebene der Fassade zeigt ein hohes architektonisches Gespür, ist in seiner Dimensionierung und Funktionalität aber noch wenig konkret. Die Fassade des Hotels erreicht noch nicht die gestalterische Qualität der Wohngebäude.

    Die Konstruktion der Gebäude ist angemessen einfach. Das Energiekonzept kann in Bezug auf die Wärmeversorgung nicht voll überzeugen.

    Insgesamt zeigt die Arbeit ein stimmiges Gesamtkonzept; dies gilt insbesondere in die überzeugende Ausarbeitung der Wohntürme. Leider erreicht die Arbeit diese Entschiedenheit nicht in allen Bereichen in der Durcharbeitung.

    3. Preis Hascher Jehle Architektur, Berlin

    Verfasser: Prof. Rainer Hascher, Prof. Sebastian Jehle
    Mitwirkende: Hagen Brandt, Daniel Sonntag, Fabian Thillmann, Nikos Athanasiadis
    Fachberater: TRANSSOLAR Energietechnik GmbH, Stuttgart (Energie), ZWP Ingenieur AG, Stuttgart (TGA), BKSi GmbH, Stuttgart (Tragwerk), Weidinger Landschaftsarchitekten, Berlin (Landschaftsarchitektur), hhpberlin Ingenieure für Brandschutz GmbH, Berlin (Brandschutz), PlanR Ingenieurgesellschaft für Fördertechnik, Ditzingen (Fördertechnik)

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    Beurteilung des Preisgerichts

    Die städtebaulich und funktional sehr komplexe Aufgabe, in der sehr schönen Lage am Spreeufer ansprechenden und hochwertigen Wohnraum mit Rücksicht auf die vorhandene Wohnbebauung zu schaffen, lösen die Verfasser durch eine versetzt „gewürfelte“ Anordnung der 3 Türme zueinander. Dadurch wird erreicht, dass für die bestehende Wohnbebauung ein annähernd freier Blick zur Spree bleibt. Ebenso wird durch diese Stellung und Anordnung der Wohnhochhäuser die gegenseitige Beeinträchtigung bei gegenüberliegenden Wohnungen minimiert und durch die Drehung der Baukörper wird zur Fanny-Zobel-Straße hin eine harte Blockkante vermieden.

    Diese Rücksichtnahme auf die bestehende Wohnbebauung wird vom Preisgericht gewürdigt; sie schafft jedoch zur Spree hin eine stadträumlich nicht wirklich befriedigende Situation, die so vom Preisgericht nicht mitgetragen wird. Auch ist die Setzung der 3 Türme zueinander und hin zu den TwinTowers in jeweils gleichem Abstand eher spannungslos. Die so entstehenden sehr gleich wirkenden Plätze und Zwischenräume (TwinTowers zu Hotel, Hotel zu Wohnturm sowie Wohnturm zu Wohnturm) sind in ihrer Reihung recht monoton. Eine Rhythmisierung der Stadträume und dadurch die Schaffung von klar definierten und unterschiedlichen freiräumlichen Situationen an der Spree werden so nicht erreicht.

    Die klare Trennung der städtischen externen Erschließung von Hotel und Wohnen ist gelungen, auch die Erschließung der Wohntürme über einen gemeinsamen Vorplatz und ein großzügiges Foyer überzeugt. Nicht nachvollziehbar für das Preisgericht ist jedoch, dass an dieser attraktiven Promenade großflächig Müll- und Technikräume im Erdgeschoss angeordnet sind; nur die Vermeidung größerer Untergeschossflächen (die allerdings sowieso nötig wären) kann nicht als Grund gelten.

    Die Wohngrundrisse mit den eingeschobenen Freisitzen sind gut organisiert und entsprechen in hohem Maße den Anforderungen des Bauherrn. Die dunklen Erschließungsflure in den Etagen sind allerdings wenig attraktiv. Die helle Fassadengestaltung, schön gegliedert durch die umlaufenden Balkone und die eingeschobenen Loggien, ist überzeugend. Die im Konzept vorgelegte Tiefgaragenanlage funktioniert in der dargestellten Form nur sehr eingeschränkt.

    Die Konstruktion der Gebäude ist angemessen einfach. Das Energiekonzept kann in Bezug auf die Wärmeversorgung nicht voll überzeugen.

    Das Hotel ist wirtschaftlich konzipiert, die interne Erschließung gut gelöst. Ob die Fassadensprache des Hotels in ihrer recht modischen Ausbildung gestalterisch von großer Dauer ist, wird infrage gestellt.

    Insgesamt überzeugt der Entwurf mit hohem Durcharbeitungsgrad und Wirtschaftlichkeit und mit schönen Grundrissen, allerdings sind die städtebaulichen Räume zwischen den gedrehten Türmen zu wenig überzeugend für ein für diesen Ort passendes Konzept.

    Hotel und Wohnen an der Spree Oktober 2, 2013