Groner Tor – Göttingen

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Groner Tor – Göttingen

Nichtoffener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren

Wettbewerbsgegenstand waren die Außenanlagen und Freiflächen auf einem südöstlich des Göttinger Bahnhofs gelegenen innerstädtischen Areal mit einer Gesamtfläche von ca. 19.354 qm. Das Wettbewerbsgebiet setzt sich zusammen aus Flächen der Universität im Norden, aus der Fläche zweier Neubaumaßnahmen für ein Hotel und ein Bürogebäude im Süden sowie Randflächen in öffentlichem Besitz und im Besitz der DB Netz AG. Aufgrund der prominenten Lage des Projektes und der gewünschten gestalterischen Verknüpfung der Hochbauten auf dem Areal sollte im Rahmen des Wettbewerbs ein übergreifendes urbanes Freiraumkonzept mit herausragenden Aufenthaltsqualitäten entwickelt werden. Neben straßenbegleitendem Grün im öffentlichen Bereich waren Wege und Plätze zu schaffen, die das Areal angemessen erschließen und attraktive Aufenthaltsmöglichkeiten bieten; auch für die Blockinnenbereiche im südlichen Wettbewerbsgebiet waren Vorschläge zur Gestaltung erwünscht.
Bekanntmachung 29.01.2016
Bewerbung bis 29.02.2016
Auswahlgremium 14.03.2016
Ausgabe Auslobung 21.03.2016
Rückfragen bis 06.04.2016
Teilnehmerkolloquium 11.04.2016
Abgabe der Arbeiten 06.06.2016
Jurysitzung 26.08.2016
Im Rahmen des Verfahrens wurden Preisgelder in Höhe von insgesamt 55.000 € zzgl. Umsatzsteuer ausgelobt (Wettbewerbssumme gemäß RPW 2013 §7(3)).
Der Gewinner erhält 22.000 €, der Zweitplatzierte erhält 16.500 €, der Drittplatzierte erhält 11.000 €, und der Viertplatzierte 5.500 €, jeweils zzgl. Umsatzsteuer.

Wettbewerbsergebnis

1. Preis Perspektive

1. Preis
WES LandschaftsArchitektur, Hamburg/DE

Verfasser: Henrike Wehberg-Krafft, Hans-Herrmann Krafft
Mitwirkende: Mathias Maurerlechner, Camilla Bender, Marie-Christin Henze, Henriette Henning, Karla Rosemarie Bolte
Fachplaner: Alexander Stenzhorn, Perspektive
SHP Ingenieurbüro für Verkehrsplanung, Hannover


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Beurteilung der Jury

Im Norden und Nordosten ist der Übergang zum bestehenden Busbahnhof über Rasenstufen und eine verschleifende Stufenanlage unprätentiös gelöst und schafft gleichzeitig eine grüne Schwelle zwischen umlaufendem Belag um das Gebäude und den Bussen. Für die hier angeordneten Kurzparker sollte aufgrund der schwierigen Wendeverhältnisse eine alternative Lösung gefunden werden. Zur Berliner Straße und zur Groner Landstraße entsteht ein großzügiger Vorbereich, in den sich die Zugänge zum Welcome-Center, zum Forum Wissen und zum Hotel selbstverständlich einordnen. Die beiden vor der klassizistischen Fassade symmetrisch angeordneten Bankbeete gliedern die



ansonsten steinerne Fläche in einem ausgewogenen Verhältnis. Der unaufdringlich und ruhig gestaltete Innenhof besticht zunächst auf den ersten Blick durch die kluge Setzung seiner Elemente: ein um zwei Stufen erhöhter Baumhain, teilweise mit blühender Unterpflanzung, gliedert den größeren Hof über der Tiefgarage räumlich klar und deutlich. Es wird jedoch zum einen bezweifelt, ob Bäume in der vorgeschlagenen Größenordnung langfristig überhaupt eine realistische Überlebenschance auf der Tiefgarage haben. Zum anderen erscheinen insbesondere die gebäudenahen gepflasterten Bereiche – aber auch in dem Beitrag insgesamt – überdimensioniert und kühl, sodass die Aufenthaltsqualität bezweifelt werden muss. Die beiden kleineren dem Forum Wissen zugeordneten Innenhöfe sind zurückhaltend-elegant gestaltet und mittels einer Hängebeleuchtung auch bei Dunkelheit besonders inszeniert. Der durch den Versprung in der Tiefgarage vorgegebene Höhenunterschied wird über eine großzügige Freitreppe gelöst, die sich unaufgeregt in die Geometrien des Innenhofes einfügt. Die Verbindung zwischen Bahnhofsvorplatz/Busbahnhof und dem Innenhof der Sparkasse wird als unzureichend empfunden. Eine direkte räumliche und funktionale Anbindung wäre wünschenswert.
Die funktionierenden verkehrlichen Belange des Busbahnhofes sowie der Hotelvorfahrt fügen sich in das Entwurfskonzept ein. Der vorliegende Entwurf überzeugt durch seine konsequente Umsetzung einer starken gestalterischen Idee bei gleichzeitiger Lösung aller wesentlichen funktionalen Anforderungen. Seine Ausarbeitung im Detail verspricht zudem eine hohe Qualität in der späteren Ausführung. Unbedingt erforderlich wäre es allerdings, den Grünanteil im inneren Bereich zu erhöhen, sowie die Belagsauswahl auf eine größere Varianz hin zu überarbeiten. Weder die Nutzungswünsche der Mitarbeiter der Sparkasse noch der Hotelgäste wären durch die bisher vorgeschlagene Gestaltung des Innenhofes in ausreichendem Maße berücksichtigt. Davon abgesehen erscheint das Konzept robust genug, um auch auf spätere mögliche Veränderungen, wie z.B. im hochbaulichen Konzept des Forums Wissen, reagieren zu können.



2. Preis Perspektive

2. Preis
LEVIN MONSIGNY
Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH, Berlin/DE

Verfasser: Nicolai Levin, Luc Monsigny
Mitwirkende: Kristina Rusnakova, Christiane Wetzel, Franziska Kreft


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Beurteilung der Jury

Der überaus konstruktive Beitrag lässt an diesem wichtigen Ort Göttingens eine hohe funktionale und gestalterische Qualität erwarten.
Einer urbanen Inszenierung des Forum Wissen und des städtischen Raumes setzen die Verfasser eine Hofidee aus vielgestaltigen kleinteiligen Grünflächen gegenüber. Damit wird ein gut funktionierender halböffentlicher Bereich geschaffen.
Der Grünflächenanteil ist mit ca. 25 % relativ hoch und unter stadtklimatischen Aspekten begrüßungswert. Die Baumpflanzungen konzentrieren sich auf die nicht unterbauten Freiflächen im Norden. Die hainartigen Baumpflanzungen



sind gute „atmosphärische“ Filter zum belebten Busbahnhof.
Verbesserungswürdig ist die Sichtachse vom Bahnhofsvorplatz zum Welcome Center des Forum Wissen.
Ausdrücklich gewürdigt wird die gute Orientierungs- und Verbindungsqualität der Fußwegebeziehungen. Der ruhende und der Erschließungsverkehr sind sinnvoll organisiert.
Die angebotene funktionale und gestalterische Lösung für den Anschluss und Übergang im Norden ist gut gelungen. Die sich dadurch ergebenden Umbauerfordernisse am Busbahnhof verschlechtern dessen Funktionalität und bedürfen einer Nachbesserung, die allerdings möglich scheint. Durch die Orientierung an den vorhandenen Materialien schafft der Beitrag eine gute Anbindung an den Bahnhofsplatz.
Die komplette Neugestaltung des ZOB im nördlichen Wettbewerbsgebiet wird kritisch gesehen und bedarf einer Überprüfung.
Die Jury würdigt die Inszenierung des klassizistischen Gebäudes durch eine prägnante Rahmung aus steinernen und grünen Rändern. Hinterfragt werden die Dimensionierung einer nahezu komplett steinernen Ausformung des Vorplatzes und die angebotenen Schriftzug-Intarsien. Die großzügige Öffnung Richtung Göttinger Stadtwall wird als eine mögliche gestalterische Lösung angesehen.
Die Idee der botanischen Stufen klingt reizvoll. Als durchgängiges konzeptionelles Element und signifikantes Bindeglied ist sie raumwirksam und betont die Bedeutung des Forum Wissen – gleiches gilt für die grünen Inseln im Bereich des Hoteleinganges.
Das Lichtkonzept ist akzentuiert und konzentriert sich als Funktionslicht auf die Quartiersränder und setzt auf eine angemessene Beleuchtung der Gebäude.
Der Beitrag erscheint in einem angemessenen wirtschaftlichen Rahmen realisierbar.


3. Preis Perspektive

3. Preis
Landschaftsarchitektur+ Felix Holzapfel-Herziger, Hamburg/DE

Verfasser: Felix Holzapfel-Herziger
Mitwirkende: Michael Girwert, Jane Heidemann, Julian Benesch,
Christian Ostermann, Eva Sittenauer
Fachplaner: Hans Hovar und Friedhelm Hune,
Ingenieurbüro Hans Tovar & Partner (ibt), Osnabrück

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Beurteilung der Jury

Die Idee der Verfasser, den gesamten Bereich mit einem Teppich aus einem durchgehenden Belag zu versehen und dies mit einem schlüssigen Konzept zur barrierefreien Erschließung sowie einer Einbindung der unterschiedlichen



Höhenniveaus zu kombinieren, ist durchaus überzeugend – ohne aufdringlich zu wirken. Schlüssig ist auch das vorgeschlagene Wegekonzept in Verbindung mit der Abfolge unterschiedlich dimensionierter und gestalteter Plätze bzw. Grünflächen. Das Verhältnis von Pflaster- und Grünflächen erscheint angemessen und verspricht eine gute Orientierung. Die Einfügung des Ensembles in das städtebauliche Umfeld ist gelungen.
Im Rahmen des Verkehrskonzeptes werden sowohl die Anforderungen des ÖPNV als auch der Nachweis der PKW- Stellplätze überzeugend dargestellt; allerdings sind die PKW-Kurzhalteplätze an der Groner Landstraße nicht möglich. Die Anbindung des Quartiers an den Bahnhofsvorplatz ist insbesondere durch die vorgeschlagene Zuwegung zum „Welcome Center“ sowie deren Gestaltung gut gelöst.
Die vorgeschlagene Ausstattung und Möblierung im Bereich des Forum Wissen sowie des Hotels ist in Ordnung; Diskussionsbedarf besteht bei den dargestellten Sitzgelegenheiten im öffentlichen Raum. Im Innenbereich müssen insbesondere am Sparkassengebäude die Gestaltung und die Funktionalität von Sitzgelegenheiten und Fahrradabstellplätzen überdacht werden. Die wellenförmigen Rasenteppiche werden sicher gerne genutzt – sie überzeugen funktional und gestalterisch.
Das erarbeitete Beleuchtungskonzept wird gelobt, denn es wirkt differenziert, ist angemessen und wird für die gewünschte Sicherheit sorgen.
Das vorgeschlagene Konzept erscheint insgesamt wirtschaftlich und in sinnvollen Abschnitten realisierbar. Auch die laufenden Pflege- und Betriebskosten dürften in einem realistischen Rahmen liegen.


4. Preis Perspektive

4. Preis
PLANORAMA Landschaftsarchitektur, Berlin/DE

Verfasser: Maik Böhmer
Mitwirkende: Karle Fabian, Mareen Leek, Halina Hoppe, Albrecht Franziska
Fachplaner: Hoffmann Leichter Ingenieurgesellschaft mbH Berlin,
(Beratung und Verkehr)
Leon Giseke, Berlin (Visualisierung)


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Beurteilung der Jury

Die Gliederung in einen äußeren der Stadt zugewandten Rahmen und ein inneres Freiraumensemble ist in der Arbeit nachvollziehbar umgesetzt. Ebenso erscheint die Gliederung der Freiflächen im Innenhof und ihre Zuordnung zu den jeweiligen Gebäuden angemessen. Auch die Erschließung von außen nach



innen ist gut gelungen, auch wenn der Vorbereich zum Welcome Center unterdimensioniert ist.
Die Größe und Vegetation des grünen Skulpturengartens im Zusammenhang mit dem vorgeschlagenen Ort für eine Großskulptur innerhalb einer steinernen Bühne überzeugt.
Die Materialien werden klug und angemessen angewendet und unterstreichen das Gesamtkonzept. Die Auswahl eines kleinformatigen Kleinsteinpflasters im Zentrum erscheint richtig. Die Hochbauten werden dazu deutlich herausgearbeitet. Der Vorschlag, den Radschnellweg in diesem Bereich in einem farblich angepassten Asphaltbelag auszuführen, wird als gelungen angesehen.
Die komplette Neugestaltung des ZOB im nördlichen Wettbewerbsgebiet wird kritisch gesehen und bedarf einer Überprüfung. Dies betrifft einerseits die Abschottung nach Norden zum ZOB mit einer 2,50 m hohen Stützmauer, andererseits aber auch die entfallenen Stellplätze der DB. Die Erreichbarkeit der Busstation erscheint aufgrund der Radien problematisch, dies scheint jedoch lösbar.
Positiv ist die Erschließungsqualität für PKWs, die Parkplätze für das Forum Wissen sowie die Fernbushaltestelle anfahren. Kritisch gesehen werden die beiden unmittelbar nebeneinanderliegenden Zufahrten von der Berliner Straße und der hier verlaufende Radschnellweg. Die Lage der Kurzzeitparkplätze vor dem Hotel ist nicht optimal.
Insgesamt ist die Arbeit strukturell v.a. im inneren Bereich gut und sauber durchgearbeitet. Sie hat jedoch v.a. im nördlichen Randbereich (ZOB) beachtliche funktionale Schwächen, welche sich ohne Beeinträchtigung der vorgeschlagenen Gesamtidee wohl nur mit erheblichem Aufwand lösen lassen.

Weitere Teilnehmer der 2. Phase

im 3. Rundgang ausgeschieden
LÜTZOW 7, Berlin/DE

Verfasser: Cornelia Müller, Jan Wehberg
Mitwirkende: Carolina Keller, Kirstin Keßler

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im 2. Rundgang ausgeschieden
bbz landschaftsarchitekten berlin gmbh, Berlin/DE

Verfasser: Timo Herrmann
Mitwirkende: Marc Leppin, Julian Engmann, Matthias Bierschenk

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Felixx landscape architects & planners, Rotterdam/NL

Verfasser: Michiel van Driessche, Deborah Lambert, Marnix Vink
Mitwirkende: Laura Spenkelink, Klaus-Peter Lorenz, Zofia Krzykawaska, Corinna Wassermann
Fachberater: Thorsten Buch, Konrad Rothfuchs,
Argus, Hamburg (Stadt-und Verkehrsplaner)

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capatti staubach | Landschaftsarchitekten, Berlin/DE

Verfasser: Matthias Staubach, Tancredi Capatti
Mitwirkende: Thomas Steinborn, Valeriya Baryshera, Maria Complora
Fachberater: Daniel Slota, maavea, Berlin (Lichtplanung)

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Lohaus + Carl GmbH Landschaftsarchitekten + Stadtplaner, Hannover/DE

Verfasser: Peter Carl, Irene Lohaus
Mitwirkende: Sören Meyer, Marcel Götz, Robert Brandt, Sven Kozyra

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Horeis + Blatt Partnerschaft mit Fugmann Janotta Partner, Bremen/DE

Verfasser: Niels Blatt, Reinhard Busch
Mitwirkende: Gesa Gärtner, Sonja Rozman

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METTLER Landschaftsarchitektur, Berlin/DE

Verfasser: Rita Mettler
Mitwirkende: Marek Langner, Davide Manca, Tobias Grünewald, Ana Guerro
Fachberater: Manfred Draxl, conceptlicht, Mils/AT (Lichtplanung)

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HAHN HERTLING VON HANTELMANN
Landschaftsarchitekten GmbH BDLA, Berlin/DE

Verfasser: Inga Hahn
Mitwirkende: Anna Fraire, Eric Jentzsch, Vincenzo Arduino

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