Forschungscampus DESY in Zeuthen – 2-phasiger, nicht-offener Realisierungswettbewerb

Masterplan und Neubau des CTA Science Data Management Centre mit Kantine und Freianlagen, 07/2018 – 02/2019

DESY Luftbild

Aktuelle Information Anlass und Ziel Ergebnis Verfahren Wettbewerbssumme Termine Teilnehmer Preisgericht

Aktuelle Informationen

Anlass und Ziel

Im Rahmen der Entwicklung des Zukunftsprojektes Cherenkov Telescope Array (CTA) erhielt der DESY-Standort Zeuthen 2016 den Zuschlag für den Neubau des künftigen Science Data Management Centre (SDMC). Das CTA ist ein weltweit einzigartiges Projekt zum Bau eines Observatoriums für Gammastrahlenastronomie. Die Bereitstellung des dazu notwendigen Neubaus bedeutet sowohl innerhalb von DESY als auch international eine enorme Aufwertung für den Standort in Zeuthen.

Das Baufeld auf dem Campus befindet sich direkt am Zeuthener See. Mit dem Neubau gilt es die räumlichen Qualitäten dieses Ortes auszuschöpfen und die künftige Bedeutung des Standortes angemessen nach außen zu repräsentieren. Funktional sind im Neubau die notwendigen Büro- sowie Technikflächen unterzubringen. Dazu soll eine neue Kantine als zentraler Ort der Begegnung und Kommunikation den räumlichen Bedarf ergänzen.

Das Neubauvorhaben wird zugleich als Anlass genutzt die bestehende Situation auf dem gesamten Campusgelände neu zu ordnen. Im Sinne eines „offenen Campus“ wird ein Teil der Entwurfsaufgabe die Entwicklung eines Masterplanes sein. Ziel ist es, die verschiedenen Außenräume neu zu definieren und die vorhandene, heterogene Bebauungsstruktur zu einem repräsentativen und funktionalen Ensemble zusammenzuführen.

Ergebnis


1. Preis: Heinle, Wischer und Partner Freie Architekten, Berlin mit Ulrich Krüger Landschaftsarchitekten, Dresden

Architektur
Heinle, Wischer und Partner Freie Architekten, Berlin
Verfasser: Dr.-Ing. Alexander Gyalokay

Freiraumplanung
Ulrich Krüger Landschaftsarchitekten, Dresden
Verfasser: Ulrich Krüger

Beurteilung der Jury
Der Campus wirkt durch seine deutliche Adresse zum Quartier zwischen bestehendem Verwaltungsge-bäude und Schulungszentrum gut gegliedert. Um eine großzügige zentrale Mitte orientieren sich bestehende und neue Baukörper und schaffen eine gute Orientierung.
Die Wegeführung und innere Erschließung sind gut gelöst. Die Gliederung der Campusmitte in einen beruhigten grünen Bereich und einen südlich angelagerten Platz wird begrüßt. Die angebotene Wegeführung von PKW und Fußgängern auf dem „Campusanger“ führt zu einer Überlagerung von Verkehren und ist im Detail noch zu klären. Die ringförmige Erschließung unter Nutzung der Anlieferzufahrt erscheint sinnvoll.
Der neue Baukörper hat eine deutliche Signalwirkung und stellt eine klare Adresse dar. Er nimmt sowohl das SDMC, wie auch die Kantine auf. Die Orientierung des Haupteingangs zum Campusanger ist deutlich ablesbar und richtig. Die Lage der Außenterrasse der Kantine zum Wasser wird begrüßt, jedoch wird der versprochene Ausblick durch das bestehende Bootshaus eingeschränkt.
Die Gliederung in einen flachen, ebenerdigen Körper mit den öffentlichen Funktionen (Kantine, Seminar) und einem zweiten darüber liegenden und auskragenden Riegel (SDMC) überzeugt. Unterhalb der Auskragungen ergibt sich zur Campusmitte hin der Hauptzugang, zur Seeseite eine geschützte Terrasse. Aspekte wie Geborgenheit, Eingangsgeste, „Geschütztheit“ scheinen gut gelöst.
Die Anmutung und Rhythmisierung der Fassade ist klar und einladend. Sie verspricht eine hohe Qualität und ist der gegebenen Aufgabenstellung angemessen. Der Nutzerkomfort der vorgeschlagenen zweischaligen Fassade mit den daraus resultierenden, nicht zu öffnenden Fenstern wird kritisch hinterfragt. Der ausladenden Dachfläche des ausgestellten Gebäudeteils der Kantine (über dem EG) kommt eine entscheidende Rolle in der Gestaltung (Begrünung, keine technischen Anlagen) zu.
Das großzügige, lang gestreckte Foyer mit Durchblick zum Wasser wird dem Ort gut gerecht. Vor allem die klare Orientierung der Funktionseinheiten (Kantine, Versammlungsraum, Nebenräume) im EG wird positiv gesehen. Ob die eher zurückhaltende Zugänglichkeit allein durch die Öffnung zu den Treppenhäusern/Aufzug ins SDMC ausreicht, ist zu überprüfen.
Die beiden Obergeschosse sind identisch strukturiert. Der Dreibund mit außenliegenden Büroräumen und innenliegenden Nebenräumen verspricht eine hohe Funktionalität. Die an den Stirnseiten verorteten Kommunikationseinheiten mit Ausblicken zum Campus und zum See versprechen eine hohe Qualität. Gleiches gilt für die Büroeinheiten, die alle einen Blick zum See ermöglichen.
Die Anlieferung der Mensa ist gut gelöst, ebenso wird die Orientierung der Küchenarbeitsplätze zum Wasser begrüßt. Die Ausrichtung der Lagerflächen zum See sollte überdacht werden.
Insgesamt wird die Arbeit als ein sehr guter Beitrag gewertet, der bei hoher Qualität infolge seiner Kompaktheit eine wirtschaftliche Lösung erwarten lässt.

Verfahren

Das Verfahren wurde als nicht-offener Realisierungswettbewerb gemäß RPW 2013 in zwei Phasen durchgeführt. In der ersten Phase waren 26 Teilnehmer*innen in einem weltweit offenen Teilnehmerauswahlverfahren zur Teilnahme am Wettbewerb ausgewählt. Für die Bearbeitung der zweiten Wettbewerbsphase wurden aus 20 eingereichten Beiträgen acht Arbeiten zur weiteren Bearbeitung ausgewählt.

Wettbewerbssumme

Im Rahmen des Verfahrens werden Preisgelder in Höhe von insgesamt 72.000 € zzgl. Umsatzsteuer ausgelobt. Diese Summe wird aufgeteilt in 36.000 € für Preise und Anerkennungen und 36.000 € für Aufwandsentschädigungen in der 2. Phase.

Termine

Teilnahme-Auswahlverfahren Montag, 23.07.2018 – Freitag 10.08.2018
Auswahlgremium Freitag, 17.08.2018
Ausgabe der Auslobung Montag, 20.08.2018
Teilnehmerkolloquium 1 Dienstag, 04.09.2018
Abgabe 1. Phase Pläne: Montag, 15.10.2018
Modelle: Dienstag, 23.10.2018
1. Sitzung des Preisgerichts Freitag, 16.11.2018
Ausgabe Unterlagen 2. Phase ab Donnerstag, 22.11.2018
Rückfragenzeitraum 2. Phase Donnerstag, 22.11.2018 – Donnerstag 6. Dezember 2018
Abgabe 2. Phase Pläne: Donnerstag, 17.01.2019
Modelle: Donnerstag, 24.01.2019
2. Sitzung des Preisgerichts Freitag, 15.02.2019

Teilnehmer

Preisgericht

Fachpreisrichter*innen
Prof. Ulrike Lauber, Architektin, Berlin
Johannes Löbbert, Architekt, Berlin
Stefan Bernard, Landschaftsarchitekt, Berlin
Ralf Streckwall, Architekt, Berlin

Sachpreisrichter*innen
Christian Harringa, DESY-Direktorium, Hamburg
Kristin Hess, Referat 712, Bundesministerium für Bildung und Forschung, Bonn
Prof. Dr. Christian Stegmann, Vertreter des DESY-Direktoriums, Zeuthen
Ständig anwesende stellvertretende Fachpreisrichter*innen
Arthur Numrich, Architekt, Berlin
Ständig anwesende stellvertretende Sachpreisrichter*innen
Axel Simon, Abteilungsleitung BAU, DESY, Hamburg
Nicolle Strebe-Marek, Referat 22, Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, Potsdam